Das Erkennen unerwünschter Suggestionen ohne gegen sie zu protestieren ist das A und O jeder mentalen Reifung. Wir müssen uns immer, jederzeit, vergegenwärtigen, daß wir sowohl beeinflußt werden als auch andere beeinflussen. Etwas anderes ist überhaupt nicht möglich. Weil es so ist, ist es umso wichtiger, bewußter zu werden. Was bedeutet das konkret?
Wir leben vor uns hin, erledigen unsere Tagesgeschäfte, produzieren, verwalten oder leisten Dienste und konsumieren. Solange wir uns wohlfühlen und alles funktioniert, was wir uns vorgenommen haben, gibt es keinen Anlass, über irgend etwas Grundsätzliches nachzudenken. Wehe jedoch, es geschehen Fehler, Streß kommt auf, Mißverständnisse geschehen - dann wird es höchste Zeit , die eigenen Motivationen zu sortieren. Um weiter zu kommen, ist es wichtig, zu erforschen, was wir selbst wollen, was andere von uns erwarten, ob die ursprüngliche Idee noch verwirklicht werden sollte oder ob vielleicht etwas ganz anderes wichtiger ist.
Sind die Schwierigkeiten klein, so daß sie schnell zu überwinden sind, werden wir auch keine großen Klärungsprozesse einleiten. Aber was ist, wenn die Schwierigkeiten unüberwindbar erscheinen? Familiäre Mißverständnisse,Mobbing, Mißerfolg, Pleiten, Krankheit, Unfälle, Katastrophen, Kriege - das alles sind größere Verschiebungen der harmonischen Grundeinstellung unseres Bewußtseins und vielleicht auch des Bewußtseins größerer Gruppen. So geht es nicht weiter! muß man dann sagen. Es ist schon zu weit gegangen, wenn die Zustände so sind. Wie ist es soweit gekommen, und was müßte geschehen, damit wieder Fluß und Harmonie ins Leben kommt? Was hat das alles mit Suggestion zu tun?
Solange wir unbewußt vor uns hin leben, können wir sicher sein, einer Schiene zu folgen, die ein ander uns vorgegeben hat. Es können die Suggestionen der Eltern, der Lehrer, der Vorgesetzten oder der ganzen Kultur sein, die uns bis dahin derartig beeinflußt haben, daß wir einfach und ohne zu denken vor uns hin leben konnten. Irgenwann können diese Suggestionen mit unseren eigenen Lebensvorstellungen kollidieren. Tief in uns haben wir Vorstellungen, die sehr persönlich sind, geradezu einzigartig und Ausdruck der Aufgaben, die wir uns selbst vor unserer Inkarnation gestellt haben. Etwas ganz genau Definiertes haben wir uns vorgenommen, und genau das macht unsere Motivation und unsere gesamte Geisteshaltung während unseres gesamten Lebens aus. Das ist der Maßstab, an dem sich alles orientiert, was wir tun und lassen, unsere Träume und Wünsche. Alle Entscheidungen wollen an diesem Programm gemessen werden. (siehe Motivatonen II)
Ich setze voraus, daß wir Menschen ein solches Programm mitgenommen haben, als wir uns auf den Weg in diese Welt machten. Ich glaube, jeder kann beobachten, daß in unserer heutigen Welt viele Verlockungen und Versuchungen existieren, die uns von unserem Programm abbringen wollen und selbst die Aufmerksamkeit fordern, sich zu verwirklichen. Das kann vollkommen unpersönlich sein, einfach indem "Mode" oder "Zeitgeist" etwas anderes von uns fordern, als es unserem inneren Programm entspricht. Sollten wir uns also auf etwas einlassen, was durch äußere Einflüsse motiviert war, müssen wir uns nicht wundern, wenn dieses Vorhaben nicht von Dauer ist. Letzten Endes wird sich immer das eigene Programm durchsetzen, denn das ist unser Wille, unser Ein und Alles. Es wird so kommen, und wenn wir dem nicht nachgeben oder die Zeitumstände es nicht hergeben, werden wir unsere Existenz früher oder später hier beenden und in einer angemesseneren Zeit das Nötige, Geplante nachholen. Es kann sein, daß dieses von uns innerlich für absolut für nötig gehaltene Vorhaben mit bestimmten Menschen zu tun hat, daß wir mit bestimmten Personen eine Art "alte Verabredung" haben, die wir einhalten wollen. Das erklärt, warum wir auf bestimmte Menschen fliegen und andere uns eher unsympathisch oder gleichgültig sind (siehe Motivationen II").
Jetzt haben wir also einmal das "alte" Programm und zum anderen die Suggestionen des Alltags, mit denen wir uns entweder auseinander setzen müssen oder denen wir einfach folgen. Den Unbewußten beeinflußt alles, er reagiert auf Beeinflussungen aller Art wie ein Fähnchen im Winde. So jemand hat ein schwaches Ego, wie manche Psychologen zu sagen pflegen. Andere bringen viele Menschen dazu, ihren Vorstellungen zu folgen, schaffen eine ganze Kultur. Vor beiden sollte man sich hüten. Dem zu Schwachen werden wir vielleicht Flöhe ins Ohr setzen, mit denen er nicht zurecht kommt und die seinem Lebensweg nicht entsprechen. Dadurch tragen wir Mitverantwortung für einen Teil seines Lebens. Der Starke wird uns selbst womöglich so weit von unserem eigentlichen Lebensweg abbringen, daß wir nicht mehr klar denken können.
Was wollen wir selbst? Das ist immer die alles entscheidende Frage, und die sollten wir uns bei Auftreten von Zweifeln immer stellen. Solange alles zu unserer Zufriedenheit läuft, müssen wir uns nicht neu ausrichten. Laufen wir gegen Mauern, wird es Zeit, uns selbst darüber klar zu werden, was unsere innersten Ambitionen sein könnten. Bisweilen zwingt uns eine Krankheit dazu, so eine Situaton zu überdenken. Das können wir vermeiden, indem wir offen werden für unsere inneren Regungen, indem wir sie bejahen, anerkennen. Sind wir äußerlich hektisch und nervös, ist es ein sicheres Zeichen dafür, daß wir auf dem falschen Weg sind oder zuwenig Geduld haben. Zur Ruhe können wir uns durch geeignete Techniken zwingen, (Autosugestion, Atmentechniken etc.), aber das bringt uns noch nicht auf den richtigen Weg. Erst das Suchen nach der richtigen Richtung verschafft uns das nötigen Potential, das wir haben müssen, um aus den vielen angebotenen Lebenswegen den geeigneten auszusuchen. Wir können uns vorstellen, daß dieser Weg nicht immer gerade laufen muß. Bisweilen kann es auch im Zick - Zack gehen, mit vielen Umwegen, Hinderungen, scheinbaren Plagen. Aber je weniger wir gegen das, was kommt, protestieren, sondern es akzeptieren, indem wir sagen "ich selbst habe meinen Teil zu dieser Situaton beigetragen, es war die derzeit bestmögliche Alternative", umso besser überstehen wir die Turbulenzen, die sich im Laufe eines Lebens einstellen können. Klagen macht uns selbst nur schwach, denn damit verstärken wir nur unsere innere Einstellung, daß wir zuwenig Macht über unser eigenes Schicksal hätten. Das ist eine Lüge, denn wir sind die Einzigen, die letzten Endes entscheiden, wie unser Weg aussieht. Das geschieht entweder aktiv durch Wollen oder passiv durch Zulassen. Und wie wir uns bei allem fühlen, was wir erleben, entscheiden immer wir selbst, ebenso was wir denken, wie wir auf Situationen reagieren.
Eines können wir mit Sicherheit sagen: alle die vielen guten Möglichkeiten, die uns das Leben bietet, können wir gar nicht wahrnehmen. Wenn wir nur Engpässe sehen, sollten wir unsere Perspektive austauschen, unseren Betrachterstandpunkt. Dann können wir neue Wege erkennen. Es sind immer mehr als genug da, also warum nicht die besten aussuchen? Auch wenn sie uns ein wenig zu spektakulär oder im Gegenteil zu gewöhnlich erscheinen mögen, für eine begrenzte Zeit ist unser Weg eben unser Weg. Eines Tages werden wir uns wundern, daß sich viele Vorstellungen realisierten, die wir uns immer erträumt haben.