JHC

Entscheidende Warhnehmungen

Ich gehe davon aus, daß jeder Mensch Gedanken, Wahrnehmungen und Bedürfnisse hat, die nur er selbst hat, die seine Individualität ausmachen. Wir ähneln uns zwar alle und können uns auch teilweise verstehen, jedoch weiß niemand genau, wie sein Mitmensch denkt, wie er seine Umgebung betrachtet, auf welche Weise er Gefühle wahrnimmt und interpretiert.

Wir leben im Zeitalter der Massenmedien und werden durch Schrift, Ton, Bild und bewegte Bilder beinahe pausenlos dazu aufgefordert, uns bestimmten Meinungen anzuschließen, bestimmte Dinge zu kaufen und bei bestimmten Dingen mitzumachen. Sind wir leicht zu beeinflussen, werden wir bald zu Sklaven dieser vielen Suggestionen, die wir als gesellschaftliche Zwänge empfinden können. Bei so viel Beeinflussung wäre es ein Wunder, wenn die meisten Menschen sich wohl fühlen würden. Stattdessen leiden viele körperlich und seelisch, haben hier und da Schmerzen, sind nervös, matt, schlafgestört oder allergisch. Um dem zu entkommen, werden Aufputschmittel, Beruhigungsmittel, Medikamente oder Rauschmittel genommen oder Therapien verschiedener Art angefangen. Eine ganze Weile kann man den Alltag damit bewältigen und handlungsfähig bleiben, aber an der eigentlichen Situation ändert sich dadurch nichts. Wir sammeln höchstens noch zusätzliche Gifte in unserem Körper an und verlieren immer mehr den Kontakt zu unseren eigenen Quellen der Kraft. Möglicherweise rutschen wir von einer Abhängigkeit in die nächste. Dabei gibt es etwas, was uns auf jeden Fall helfen würde: wir besinnen uns auf unsere eigenen Stärken, fühlen woher wir Kraft bekommen könnten. Das ist das Naheliegendste und führt allemal zu größerer Bewußtwerdung. Es gibt bei aller Unbestimmtheit eine feste Tatsache in unserem Leben: Nichts und niemand, kein Mensch und auch kein Industrieprodukt, kann uns je erlösen in dem Sinne, uns von der Auseinandersetzung mit uns selbst, mit dem Leben zu befreien. Das können nur wir selbst, weil wir die Einzigen sind, die unsere Gedanken und damit unsere Bedürfnisse und Motivationen erkennen und verstehen können. Und nur wir selbst können sie ausleben und mit ihrer Hilfe Lebenswirklichkeit entstehen lassen. Alle Personen und Institutionen, die vorgeben, etwas von uns zu verstehen und uns bei unserer Lebensführung zu helfen, sind nur hinter unserem Geld her. Auch wir selbst müssen unser Geld auf ähnliche Weise verdienen, indem wir Produkte oder Dienstleistungen anbieten. Also muß jeder sich entsprechend abgrenzen, sich ganz bewußt und gezielt die Erleichterungen verschaffen, die ihm wirklich nützen.

Institutionen aller Art können uns Hoffnung geben, solange wir an sie glauben, aber weder können sie uns wirklich verstehen, noch können sie uns helfen, uns über unsere eigenen Gedanken, Motivationen und Bedürfnisse hinwegzusetzen. Das eigene Ich, das wir selbst sind, können wir nie verlassen. Also setzen wir uns mit uns selbst auseinander und stärken uns, wo wir schwach sind. Die Grundvoraussetzung ist wie immer: wir müssen wirklich wollen, daß es uns besser geht, daß wir uns wohler fühlen, daß wir ein selbstbestimmtes Leben führen, daß wir uns selbst kennenlernen, daß wir unsere eigenen Bedürfnisse verstehen lernen. Unser ganzes bisheriges Leben wurden wir mit Suggestionen aller Art überhäuft. Anderer Menschen Worte werden in uns nachklingen. In uns werden "Wahrheiten" anderer aktiv sein, laute Stimmen womöglich, die uns dauernd sagen, wie wir zu denken und zu handeln hätten. Dieses sollten wir alles prüfen, wann immer es auftaucht, ob es uns wirklich nutzt oder ob es nur unsere eigene Kreativität und Unterscheidungsfähigkeit mehr oder weniger zudeckt!

Was wir über uns selbst wissen müssen, ist in uns. Indem wir uns selbst fragen, werden wir uns über unsere Gedanken, Motivationen und Bedürfnisse klar. Warum nicht einmal Selbstgespräche führen? Warum sich nicht einmal schriftlich mit sich selbst auseinandersetzen? Jeder sollte sich selbst Strategien erarbeiten, um besser Kontakt zu sich selbst zu finden. Wir sortieren auf die Weise unsere eigenen Gedanken, um uns besser klar zu sein, was wir denken und was wir wollen. Wir sollten auch unsere eigenen Erfolgessysteme kennenlernen: auf welche Weise haben wir in der Vergangenheit auffallenden Erfolg gehabt? Zu dem Zeitpunkt haben wir intuitiv unsere Stärken genutzt, die richtigen Wege gefunden, die richtigen Entscheidungen und die richtigen Kontaktpersonen getroffen, die richtigen Informationen zu uns gezogen. Wir haben die richtigen Strategien genutzt, und möglicherweise könnten uns diese auch bei weiteren Lösungen behilflich sein (dienlich sein).

Wir müssen auf die leisen Gedanken achten. Haben wir uns eine Frage gestellt oder eine Aufgabe, wird unser Innenleben bald oder später für Antworten sorgen. Die können in sehr unterschiedlicher Gestalt auftreten, als leise Gedanken, Zeitungsartikeln beispielsweise bis hin zu Personen, die uns etwas mitteilen (auch wenn wir sie nicht konkret um Hilfe gebeten haben). Antworten oder Lösungsvorschläge können uns in sehr unterschiedlicher Form erreichen, seien wir also sehr aufmerksam, was wir um uns herum wahrnehmen. Das Kaleidoskop unseres Lebens formt sich durch jede Frage, durch jede Aufgabe neu, und damit wachsen unsere Möglichkeiten!

Diese Ausführung war schon fast die Überleitung zum Thema Wahrnehmung der Umgebung. Auch diesbezüglich wurden wir im Laufe unseres bisherigen Lebens aus vielen Quellen mit Weisheit überschüttet: Eltern, Lehrer, Geschwister, Bücher, Zeitungen und sonstige Medien haben uns beinahe unaufhörlich ihre Sicht der Welt aufgedrückt und uns klargemacht, wie wir die Erscheinungen (unsere Realität) zu interpretieren hätten. Es ist ja auch kaum anders möglich, aber auf der Strecke blieben dabei oft die eigene Meinungsbildung, die Denk - Freiheit und das Empfindungsbewußtsein. Durch diese aufgedrückten Weltbilder konnten wir als Individuum zunächst zu dem Schluß kommen, es gäbe für alle Fragen eine schlüssige Antwort, es gäbe Regeln für alle Lebenslagen, alles wäre in Ordnung oder die Welt der Erwachsenen (oder sonstiger Autoritäten, Wissenschaft etc.) würde alles beinhalten, was man zum Glücklichsein braucht, wenn man nur erst einmal die Reife oder die Intelligenz hätte, in sie einzudringen. Zeitungen und Fernsehen stellen unsere Welt in der Regel auf eine Art dar, die uns suggeriert, es gäbe ein festes Weltbild und daher auch feste Werte, ohne dieses jemals zu definieren. In Wahrheit ist man im Rahmen einer herrschenden Meinung aktiv, d.h., Außenseitermeinungen werden nach Möglichkeit ausgeblendet oder bekommen eine schlechte Sendezeit. Viele Themen werden einfach tabuisiert.

Ist also das, was wir im allgemeinen als Weltbild hinnehmen, geeignet, die existenziellen Fragen des Menschseins zu beantworten? Kann man es als Entscheidungsgrundlage benutzen? Ist es geeignet, Frieden zu stiften, für Gesundheit zu sorgen oder ökonomische Sicherheit zu bringen? Kann man damit über Strafvollzug entscheiden? Über Wehrdienst und Kriegseinsatz überhaupt? Über das Problem, wer auf diesem Planeten Grund und Boden besitzen darf oder unter welchen Bedingungen man es jemandem wegnehmen darf, wie es im riesigen Maßstab in Nordamerika und Australien geschehen ist? Kann man damit entscheiden, wer die Luft und den Boden durch Industrieanlagen oder Flugzeuge und sonstige Verkehrsmittel vergiften darf, und wer wieviel Lärm verursachen darf? Jeder möge über diese Punkte nachdenken und seine eigenen Standpunkte finden.

Ich denke, ein statisches Weltbild und noch dazu ein unschlüssiges kann uns nicht viel Nutzen bringen. Wir sind gezwungen, uns unsere Realität so groß zu denken, daß alle Widersprüchlichkeiten und unbequemen Wahrheiten darin ihren Platz finden, anstatt sie zu ignorieren, wegzudiskutieren oder gar zu tabuisieren. Was hilft uns also weiter? Wir nehmen unsere Welt subjektiv wahr, und diese subjektive Wahrnehmung und das, was wir dabei denken und fühlen, was diese Wahrnehmung in uns anregt, das ist unsere eigene Wirklichkeit. Unsere Sprache ist hier sehr präzise: wir nehmen etwas Vorhandenes als etwas Reales, Wahres hin. Das heißt nicht, daß es wirklich so ist ( = wahr ), sondern nur, daß es das ist, was unserer gegenwärtigen menschlichen Reife entspricht, unseren Denkmöglichkeiten, unseren Möglichkeiten, das Empfundene in unser eigenes Denksystem einzuordnen.

Wissenschaft möchte gerne immer absolute Wahrheiten feststellen und ist damit bisher fast stets gescheitert, denn fast alle Erkenntnisse sind später auf den Scheiterhaufen neuerer Wahrheiten verbrannt worden. Wir sollten uns lieber an den Gepflogenheiten der Technik orientieren: Technik arbeitet mit Erfahrungen und tastet sich so zu immer neuen Möglichkeiten empor. Das sollten wir auch tun: wir nutzen eigene Erfahrungen, wo ein Plan funktioniert hat. Wir beobachten ebenso andere, was für Erfahrungen diese machen, wir vertrauen auf unsere eigenen Wahrnehmungen und leisen Gedanken, wir entwickeln ein Gespür dafür, was Erfolg haben könnte und was uns eher schaden könnte. Wir kennen unsere eigenen Gedanken und Gefühle als wertvoll und entscheidend an. Wir lernen unsere Intuition kennen, indem wir sie benutzen und anerkennen, daß sie funktioniert. Wir lernen, uns selbst und anderen Fragen zu stellen und die Antworten wahrzunehmen. Wir entscheiden selbst, wieviel Raum und Wert wir den Beurteilungen anderer geben wollen oder wo wir selbst anderen Grenzen setzen wollen. Auf die Dauer hilft uns nur eigene Autorität und genügend Selbstwertgefühl weiter. Allerdings sollten wir parallel dazu auch lernen, dieses anderen ebenfalls zuzubilligen, anstatt zu versuchen, sie mit unserer Selbstgefälligkeit glattzubügeln.

JHC 1. Januar 2006