Diese Worte, von mir aufgeschrieben am 18.12.02, kleben an meinem Bildschirm, benutze ich als Lesezeichen, habe ich vielfach verschenkt: eines Tages wurde mir klar, daß es ein grundsätzlicher Fehler im Leben ist, seine eigenen Bedürfnisse zu verleugnen und sie anderen Grundsätzen unterzuordnen, etwa moralischen. Was nützt uns ein Leben, das einem anderen sehr gefällt, uns selbst jedoch nur in Unzufriedenheit bringt?
Jeder von uns ist mit einer gewissen "Grundsubstanz" an Motivationen und Bedürfnissen in dieses Leben gekommen. Ob diese Folgen vergangener Erdenleben sind oder andere Ursachen haben, wäre wohl sekundär. Wichtig ist, daß sie vorhanden sind. Wie treten sie denn nun in Erscheinung? Es sind Sehnsüchte, Ideen, Talente, besondere Wahrnehmungsfähigkeiten, Ahnungen, leise oder weniger leise innere Stimmen. Es ist das, was uns in diesem Leben bewegt, antreibt, leben läßt. Es ist gewissermaßen der Sinn diesen Lebens! Es liegt auf der Hand, daß es nicht gleichwertig ist, ob wir unsere Bedürfnisse zu erfüllen trachten und streben oder nicht. Was sollte denn dieses Leben für uns bedeuten, wenn wir nur nach den Vorstellungen unserer Eltern, der Lehrer, der Freunde, der Gesellschaft oder der Kirche funktionieren würden? Wir selbst sind alles, was wir jemals besitzen können! Das sollten wir uns immer wieder deutlich machen. Kann es also etwas geben, das so wichtig wäre, daß wir unsere eigenen Bedürfnisse und Motivationen, das, weshalb wir hierher gekommen sind, unsere gesamte Persönlichkeit verleugnen und stattdessen die Maßstäbe anderer anlegen?
Wenn wir in uns selbst etwas Bestimmtes wiederholt denken, vor uns hin sagen, als Stimme in uns wahrnehmen, als Kraft spüren, als Frage erkennen -- was sollte das denn anderes sein als unser eigenes inneres Ich, das uns sagen möchte" hallo, ich bin auch noch da, nicht nur die Gesellschaft, die Familie, die Freunde, die Firma" etc. Es sind unsere eigenen Motivationen, gekoppelt mit den entsprechenden Emotionen, der Kraft, die sie zu ihrer Realisierung benötigen.
Jedes Bedürfnis hat seine Zeit, in der Jugend wird man andere Bedürfnisse haben als in den späteren Jahren des Lebens als Erwachsener. Zufriedenheit ist meiner Meinung nach eine Folge von zunehmender Realisation innerer Bedürfnissen. Je mehr ich von dem verwirkliche, was in mir als Motivation/Bedürfnis/ Ziel schlummert, desto leichter wird mir das Leben fallen. Sich stattdessen gesellschaftlichen und religiösen Zwängen zu unterwerfen kann nicht zu eigenem Wachstum führen, denn wir würden dann unsere Kraft, die eigentlich für uns selbst vorhanden ist, für die Pläne anderer einsetzen. Das ist schlicht Dummheit und Ignoranz!
Das heißt nicht, anderen nicht zu helfen, sich nicht am weiteren Aufbau des Gemeinwesens zu beteiligen oder anderen nicht ein guter Kamerad und Freund zu sein, im Gegenteil. Aber erst dann, wenn man gelernt hat, für sich selbst da zu sein, und das heißt seine eigenen Bedürfnisse anzuerkennen und ihre Befriedigung anzupacken, erst dann hat man die Kraft übrig und die Gelassenheit und die Ruhe, für andere da zu sein.
Es liegt auf der Hand, daß es nicht im Interesse der Industrie und Kaufleute ist, daß die Kunden zufrieden sind, denn dann würden sie ja nicht mehr wie die Schafe laufen und alles kaufen, was "Werbung" uns suggeriert.
Aber das ist ja nicht unser Problem: unser Problem ist, unser eigenes Leben zusammen mit unseren Lieben so zu gestalten, daß wir zufrieden mit uns selbst sind! Und sind wir zufrieden mit uns selbst, werden wir auch zufrieden mit der Welt sein, toleranter den uns umgebenden Menschen gegenüber und weniger agressiv. Unsere Stimmung ist im allgemeinen "höher", wenn wir zufrieden sind. Die Wirtschaft möchte uns neidvoll, damit wir kaufen, unsicher, damit wir kaufen, uns über unsere Sextriebe beeinflussen, damit wir kaufen -- kaufen ist der Zweck der Menschen aus der Sicht der Wirtschaftsleute. Wollen wir uns dem ernsthaft unterordnen? Oder wollen wir unsere gesamte Findigkeit dazu benutzen, ein möglichst selbstbestimmtes und damit zufriedenes Leben zu führen!?
Wenn jemand meint, das wäre utopisch, hat er bereits auf die Angelhaken anderer gebissen. Jeder bestimmt durch die Art seines eigenen Denkens in erheblichem Umfang mit, ob er Handlungsfreiheit hat und nutzt oder ob andere bestimmen, wie er zu leben hat. Und die am meisten verbreitetste Ursache für Passivität ist die Verkennung und damit Nichtanerkennung der eigenen Bedürfnisse. Wenn ich sie nicht erkenne und anerkenne, können sie mir auch nicht zu der Findigkeit verhelfen und in mir auch nicht die Kraft mobilisieren, die ich brauche, um sie zu verwirklichen. Die Ideen kommen dann manchmal einfach nicht.
Ich bringe hier in diesem Text bewußt keine Beispiele dafür, welche Bedürfnisse Menschen haben, denn ich will niemandem irgendwelche Ideen diesbezüglich suggerieren. Jeder muß selbst herausfinden, siehe weiter oben, welches seine eigenen Motivationen in seinem Leben sind und welche eigenen Bedürfnisse daraus erwachsen.