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Wahrnehmung und Bewußtsein

Wir kommen an einer "ewigen" Wahrheit (auf menschliches Leben / Bewußtsein bezogen) nicht vorbei: das, was wir gewöhnlich als "Wahrnehmung" bezeichnen, ist in Wirklichkeit eine Funktion unseres Bewußtseins (Summe aus Vorstellung, Emotion, Erinnerung, Motivation, Willen, Plänen etc.).Wir haben es mit folgender Situation zu tun: unsere 5 vermeintlichen Sinne Sehen, Hören, Schmecken, Riechen und Tasten melden uns elektrische Impulse an unser Gehirn. Unser Gehirn verarbeitet diese Impulse zu Vorstellungen. Was ist das Ergebnis?

Sprechen wir mit unseren Mitmenschen, wird schnell deutlich, daß jeder Mensch das "Wahr - Genommene" individuell verarbeitet und beurteilt. Nie können wir wissen, was der Mitmensch sich unter dem Wahrgenommenen vorstellt, auch wenn wir dasselbe wahrgenommen zu haben glauben wie er. Daher sind Streit und Kommunikations - Schwierigkeiten allgegenwärtig, es geht in Gesprächen immer um "Meinung, Geschmack, Empfinden".

Wie lernen wir?

Somit wissen wir also niemals, was Augen sehen, weil Augen eben nicht sehen. Wir können uns noch nicht einmal sicher sein, Augen zu haben, da wir nicht über irgendwelche Kontrollmöglichkeiten verfügen. Allerdings lernen wir von klein auf: "Wenn Du ...(das und das)... siehst, bedeutet das Dieses!" Dieser Prozeß wird von uns als "lernen" bezeichnet und dauert solange an, wie wir leben.

Wir erfahren also ausschließlich von anderen Menschen, was die elektrischen Impulse zu bedeuten haben, die über unsere angeblichen Sinnesorgane unser angeblich vorhandenes Gehirn und von dort aus unser Bewußtsein erreichen sollen.

Wahrnehmung hat also mit lernen zu tun, und Lernen setze ich mit Suggestion gleich.

Woher kommen die Namen?

Ganz gleich, womit wir uns befassen, immer hat die Art, wie Wahrnehmung in unser Bewußtsein tritt, wie wir Wahrgenommenes bewerten, etwas mit Suggestion zu tun. Sehen wir eine Pflanze und wollen wir wissen, wie sie "offiziell" heißt, stoßen wir auf einen botanischen Namen, der ihr in der Vergangenheit von einem Forscher gegeben wurde, der die erforderliche Autorität dafür besaß. Nicht die Pflanze selbst teilte uns ihren Namen mit.

So ist es mit sämtlichen Begriffen ( die ja nichts anderes als Benennung = Namen darstellen).Jemand hat den Namen benutzt, und andere haben sich vielleicht andere Bezeichnungen ausgedacht, schließlich hat sich der "eingängigste" Name durchgesetzt.

Wahrnehmung, Bewußtwerdung, Bewußtseinsbildung hat also etwas mit dem Lernen zu tun, und Lernen ist das Ergebnis von Suggestionen. Wohin wir uns auch wenden, ob in den Makro - Kosmos oder den Mikro - Kosmos: nirgendwo finden wir etwas "objektiv Bestimmbares". Wir haben es im gesamten Raum, den wir "Welt" oder "Universum" nennen, mit gedanklichen Vorstellungen zu tun. Wir setzen eine Vorstellung, nämlich elektrische Impulse zu erzeugen, in Zusammenhang mit einer Vorstellung, elektrische Impulse über Nervenbahnen weiter zu leiten bis zu einem von uns vorgestellten Hirn, das aus den von uns vorgestellten Impulsen eine Vorstellung in unserem Bewußtsein erzeugen soll. Also:

Sinnesorgane, Nervenbahnen und Gehirn existieren in unserer Vorstellung, und wir als "fortschrittliche, naturwissenschaftlich aufgeklärte Menschen" halten sie für real existierend, ohne jemals kontrollieren zu können, ob es sie "wirklich" gibt.

Immer in unseren Vorstellungen

Ganz gleich, was wir tun und denken, immer bewegen wir uns im Bereich unserer eigenen Vorstellungen. Solange wir "hier" leben, wo und was auch immer dieses "hier" ist, bewegen wir uns in unseren Vorstellungen, denn wir können nicht anders. Dies hat nichts mit "Glauben" zu tun, sondern mit unserer Lebens - Dimension an sich. Wäre es anders, fänden wir irgendwo in uns, in der Natur, in der Kommunikation, in der Politik, in der Umwelt etwas präzis Beschreibbares und genau Vorhersagbares, Kalkulierbares. Was wir jedoch finden sind Wahr - Nehmungen, Meinungen, Theorien, Hypothesen, Glauben, Annahmen, Schätzungen, Hochrechnungen, Wahrscheinlichkeiten, Ähnlichkeiten und deren "praktische Anwendungen".

Die Ungenauigkeiten sind kein technisches - oder Meßproblem, das man eines Tages lösen könnte, sondern das Ergebnis davon, daß wir uns immer in unserer Vorstellung bewegen, was auch immer wir gerade tun, denken oder wahr zu nehmen glauben. Es ist uns prinzipiell nicht möglich, dem zu entgehen, und jedes Gespräch, jede Diskussion, jede Verhandlung und jedes Selbstgespräch zeigt, daß es so ist. Daher ist menschliches Zusammenleben derart kompliziert, vom kleinsten Familienverband bis hin zur Weltpolitik. Daher sind Mißverständnisse einerseits und Machtverhalten andererseits nicht zu vermeiden. Deshalb leben wir zur Zeit noch in einer Welt, die weitgehend Interessen - dominiert ist. Es wäre sicher besser, sie wäre Ethik - dominiert, würde sich also an Wertdenken orientieren.

Kein Weg

Es ist ganz gleich, mit welchen philosophischen oder psychologischen Tricks manche Zeitgenossen auch arbeiten mögen, niemand kann einen Weg beschreiben, wie aus einer präzisen Sinneswahrnehmung eine präzise Vorstellung und damit auch eine präzise Erinnerung wird.

Damit sind wir darauf zurück geworfen, uns immer und jederzeit ausschließlich im Bereich unserer eigenen Vorstellungen rein gedanklich zu bewegen. Das ist davon unabhängig, in welchem Wachheitsgrad wir uns gerade wähnen: im Tagesbewußtsein, halbwach, dösend, schlafend, in einer Hypnose, in einem Koma, im Zustand erweiterten Bewußtseins (etwa durch Drogen, schamanistische Rituale, Astralreisen etc). Dazu kommt, daß wir endlich allgemein akzeptieren sollten, daß wir zu jeder Zeit und an jedem Ort mit allen Lebewesen und sonstigen Formen von Bewußtsein unlösbar verbunden sind.

Wahrnehmung ist gesellschaftliche Konvention, nichts Absolutes. Unser Gefühl rebelliert gegen diese Wahrheit. Umzustoßen ist sie jedoch nicht, und wir täten gut daran, sie stets zu berücksichtigen, um Mißverständnisse mit unseren Mitmenschen zu vermeiden und Zusammenhänge besser als bisher verstehen zu können.

JHC 15. Juni 2004