Laut "Kluge", Ethymologisches Wörterbuch heißt "suggerieren" = aus lateinisch "suggerere, suggestum", von unten herantragen, unterlegen ( aus lat. Vorform "gerere"= tragen und "sub"= unter
leitet sich ab von (auch Kluge) : frz. manipuler = zum eigenen Vorteil beeinflussen, handhaben (zum beispiel eine chemische Substanz) aus lateinisch "manus" = Hand und dto. "plere" = füllen
Worte, die im normalen Sprachgebrauch auf die Anwendung von "Suggestion" hindeuten:
Dieser Aufsatz soll sich mit den Situationen im menschlichen Zusammenleben auseinandersetzen, wo wir es mit "Suggestion" zu tun haben. Eigentlich ist es die falsche Ausgangslage, denn es wäre wahrscheinlich weniger Platzbedarf auf dieser Seite erforderlich, wenn ich die Situationen beschriebe, in denen Suggestion nicht auftritt.
Wenn wir gewöhnlich etwas über "Suggestionen" hören oder lesen, denken wir kaum an gewöhnliche Lebensäußerungen, sondern höchstens an Therapie, Hypnose oder Selbstbeeinflussung. Wir denken jedoch auch an Werbung. Ich fange dort an, wo es offensichtlich ist, daß jemand mit Hilfe von Suggestion seine Ziele erreichen will. Die Bilder und die Sprache von Werbung sollen uns anregen, das beworbene Produkt zu einem Teil unserer Wirklichkeit werden zu lassen. Dann sollen wir das Angebot wahrnehmen, damit unser Geld in die Richtung dessen fließt, der die Werbung lanziert hat. Wir haben es mit Suggestion in Reinkultur zu tun.
Auch in Therapie, Hypnose und Selbstbeeinflussung haben wir es mit sehr durchsichtigen Formen von Suggestionen zu tun. Daher schenke ich ihnen in diesem Text keine besondere Aufmerksamkeit. Kommen wir dann zur Pädagogik. Auch hier geht es darum, andere davon zu überzeugen, die eigenen Vorstellungen jedweder Art zu akzeptieren und sie sich zu eigenen zu machen. Pädagogik klont sozusagen unsere Kultur. Sie wird angewendet in Kindergärten, Schulen, Lehrlingsausbildungen, Universitäten. Erwachsenenbildung, Fachschulen, Therapien fast aller Art, Jugendgruppen, Universitäten, Soldatenausbildung, Fahrschulen.
Des weiteren finden wir Suggestion im Zusammenleben von Paaren und in Familien. Wer im jeweiligen Bereich die größte Kompetenz oder wenigstens die größte Durchsetzungsfähigkeit (Autorität) hat, bestimmt, was geschieht. Früher sagte man, der hat die Hosen an, womit man andeuten wollte, daß es eben nicht immer automatisch der Herr des Hauses war, sondern oftmals auch die Frau, was manche Männer ins Wirtshaus, zur Jagd oder zum Angeln getrieben haben mag.
Wenn wir eine Ausbildung durchlaufen, schauen wir stets danach, was wir an Verhaltensweisen, und dazu gehören auch berufsspezifische Fertigkeiten, von unseren Ausbildern in unser eigenes Repertoire an Möglichkeiten übernehmen wollen. So suggeriert unser Ausbilder uns Teile seines Denkens, seiner Verhaltensweisen, seiner Fähigkeiten.
Mir geht es hier zur Hauptsache darum, aufzuzeigen, wie Suggestion als ganz normaler Faktor in unserm Alltag auf eine Weise wirkt, daß viele Menschen sich dessen nicht bewußt sind, daß und wie sie anderen etwas suggerieren und sie dadurch manipulieren. Jede Form von Kommunikation wirkt suggestiv. Ganz gleich, was jemand sagt oder tut, wird vom Mitmenschen daraufhin überprüft, ob es für eigene Zwecke verwendbar ist. Erscheint uns die Äußerung des anderen als wertvoll, wird sie in unser Repertoire aufgenommen. Das gilt besonders im Kindsalter in dem der Lerntrieb noch viel stärker erhalten ist.
Ist es nicht so, daß wir fast ständig das Verhalten anderer Menschen mit unserenm eigenen vergleichen, damit uns möglichst nichts entgeht, was sich lohnen würde, gelernt zu werden? Sind wir nicht stets auf der Suche nach Neuigkeiten, Informationen oder Gegenständen, die uns helfen können, unser Leben zu erleichtern? Es ist genau dieser Trieb, immer wieder Verbesserungen in unser Leben zu bringen, der uns dazu bringt, so viel wie möglich an Informationen aus unserer Umgebung aufzunehmen. Wir wollen unser Potential an Verhaltensmöglichkeiten erweitern und wir wollen auch unsere ganz praktischen Handlungsspielräume erweitern, und deshalb "jagen" wir laufend neuen Informationen und Gegenständen hinterher. Unser eigenes Verhalten und auch die Gegenstände, die wir benutzen, regen ebenfalls unsere Mitmenschen an, nach brauchbaren Alternativen für ihre Lebensführung zu suchen. Nimmt man uns als "Autorität" wahr, ist man eher geneigt, Redensarten und Verhaltensweisen von uns zu kopieren. Durch alle Gesellschaftsschichten hindurch läuft dieses Spiel "jeder manipuliert jeden", da jeder durch sein "So - Sein" auf die anderen einwirkt.
Natürlich werden wir am meisten in dem Bereich manipuliert, wo wir unser Geld ausgeben. Wer sagt uns, welche Bedürfnisse wir haben? Welche Mechanismen lassen in uns Bedürfnisse entstehen? Das System funktioniert mit "Anerkennung" und "Angst". Jeder Mensch möchte nicht nur "lernen", also an allen wichtigen Informationen teilhaben (der Lerntrieb ist eine sehr wichtige Kraft in uns), sondern auch die Anerkennung bekommen, ein wichtiges und richtiges Mitglied der menschlichen Gesellschaft zu sein (ebenfalls ein sehr wichtiger Trieb). Damit verbunden sind Ängste vor dem Versagen, weil sie dem "Negativ - Aspekt" von Anerkennung entsprechen. Wir können Angst entwickeln davor, den Ansprüchen desjenigen nicht genügen, der die Anerkennung verteilt. Das können Nachbarn, Freunde, Eltern, Geschwister, Arbeitskollegen oder Vorgesetzte sein: von allen möchten wir anerkannt werden (unseren Status aufrechterhalten), genau so wie natürlich auch jeder von uns die Anerkennung haben möchte.
Diesen Wirkungsmechanismus macht sich die Wirtschaft zunutze, indem sie uns unaufhörlich eine Fülle von neuen Informationen in Form von Produkten und Dienstleistungen anbietet. Unsere Neugier läßt uns darauf reagieren. Daher geben wir den Anbietern (gerne?) unser hart verdientes Geld. Die Flut von Informationen füllt uns innerlich so aus, daß wir auf einen inneren Reiz namens "Bedürfnis" fast ausnahmslos mit "kaufen" antworten. Der Nachbar hat es getan, da können wir einfach nicht nachstehen, denn was werden andere von uns denken, wenn wir das "moderne" Produkt nicht haben? Das Bedürfnis muß keineswegs echt sein, oder wenn ja, könnten vielleicht auch andere Lösungen in Frage kommen außer "kaufen". Normalerweise kommen wir jedoch nicht auf einfache Lösungen. Ist es unter den beschriebenen Umständen denn überhaupt möglich, ein einigermaßen selbstbestimmtes Leben zu führen? In zivilisierten Staaten ist jeder darauf angewiesen, Geld zu verdienen, und auch gesellschaftlich anerkannt zu sein, jedenfalls in einem gewissen Rahmen. Kinder müssen zur Schule, werden dort weitgehend "gleichgeschaltet", sowohl durch Lehrer als auch durch Klassenkollegen und sind sehr unfrei. Mobbing bei "Fehlverhalten" ist an der Tagesordnung. Kann man da noch weitergehende Freiheitsbedürfnisse ausleben? Es ist auf den ersten Blick schwer. Doch wollen wir diesen Zustand für alle Zeiten festschreiben? Oder würde es sich nicht doch lohnen, über Veränderung nachzudenken? Es gibt in jeder Lebenssituation Spielräume für Veränderungen, auch wenn sie nicht auf den ersten Blick zu erkennen sind. Über unsere Bedürfnisse können wir uns besser als bisher klar werden, auch über ihre Ursachen. Vor jeder Kaufentscheidung können wir uns fragen, ob dieser Kauf wirklich zur Erfüllung unseres eigenen Bedürfnisses beiträgt oder ob er eher ein suggeriertes Bedürfnis zu befriedigen hilft. Wir können uns jedesmal, wenn sich in uns eine neue Motivation abzeichnet, wenn wir bemerken, daß uns "etwas" in Bewegung bringen will, selbst fragen, was dieses wohl sein könnte. Sind wir bereit, diesem Einfluß nachzugeben? Wir können jede Idee auf den Prüfstand der eigenen Maßstäbe stellen. Das erweitert unsere Sicht auf uns selbst und andere.
Es wird dazu führen, daß wir individueller werden. Natürlich werden wir zunächst umso mehr Unsicherheitsgefühle produzieren, je mehr wir eigene Wege gehen. Daran gewöhnen wir uns aber. Der Gewinn ist ein besseres Lebensgefühl und mehr Freiheit. Das sollte uns einige Aufmerksamkeiten und innere Unsicherheiten allerdings wert sein. Konkret kann uns sowieso nichts passieren. Folgen wir unseren eigenen Wertmaßstäben, wird unser Leben reicher sein. Verzichten sollte man dabei auf vorgegebene Methoden, wie sie in Seminaren angeboten werden, da wir dort nur solche Ideen wiederkäuen, die andere vorgekaut haben. Wenn wir wirklich selbst mit uns und unseren individuellem Bewußtsein weiterkommen wollen, müssen wir uns selbst kreativ betätigen und ausprobieren, was uns guttut und was nicht. Wir können ein Gespür für das entwickeln, was uns hilft. Dazu ist es wichtig, die eigenen inneren Stimmen besser zu erkennen und zu lernen, was sie bedeuten. Immerhin findet alles, was wir erleben, in uns statt (vgl."Materie als Mentalstruktur"). Folgen wir einem "Vordenker", landen wir immer in alten Systemen, in denen nur vorhandene Denkpfade benutzt werden. Wirkliche Kreativität, gegenwartsbezogene Wahrnehmungen und Entscheidungen sind so nicht möglich. Haben wir es denn nötig, um der Anerkennung willen oder wegen Denkfaulheit (Folge von Hektik, Zeitmangel, Streß?) unsere eigene Kreativität zu verleugnen und Lobbyisten zu folgen oder haben wir die Stirn, selbst zu bestimmen, was für uns, unser eigenes Leben und die Weiterentwicklung unseres Bewußtseins zweckmäßig ist?
Es geht doch immer um konkrete Handlungen, die aus den "Denkbewegungen" folgen sollen. Gibt jemand anderes vor, mit welchen Denkinhalten ich mich beschäftigen soll, hat derjenige oder die Intitution Macht über mich bekommen. Damit wir uns klarmachen, wie uns die Kultur, in der wir aufgewachsen sind und vielleicht immer noch leben, uns zu dem gemacht (beeinflußt = manipuliert) hat, was wir jetzt sind, führe ich einige Fragen auf, die sich jeder so oder in abgewandelter Form stellen kann.Natürlich sind diese Fragen auch suggestiv, wie der ganze Text, wie jeder Text, doch kommt es mir darauf an, im Leser nur das auszulösen, was ihn selbst weiterbringen könnte. Die Fragen sollen dazu anregen, selbst weitere Fragen zu formulieren. Formulieren ist schon ein sehr wirkungsvoller Anfang, denn unser "Unterbewußtsein" arbeitet gerne im Auftrag eigener und fremder Fragen und ist bestrebt, Lösungen anzubieten.
Folgende Fragen könnten uns dazu anregen, uns unserer Lage bewußt zu werden:
Unser gesamtes "So - Sein" resultiert aus sämtlichen Einflüssen, denen die gesamte Menschheit über alle Zeiten der menschlichen Erfahrung des Erdenlebens hinweg ausgesetzt war. Wollen wir dahin kommen, eine eigene Persönlichkeit zu entwickeln, müssen wir neue, eigene Denkgewohnheiten entwickeln und eigene Methoden von Wahrnehmung benutzen. Wir können selbst mehr Autorität über unser Leben gewinnen, und das sollte uns einige Mühen wert sein, indem wir unsere Aufmerksamkeit ständig neu ausrichten. So können wir auch Entwicklungen erkennen und mit unserem eigenen Engagement verstärken, die die gesamte Menschheit weiterbringen. Das wird uns mehr persönliche Freiheit bringen, und wir werden zufriedener sein, wenn sich etwas bewegt, weil wir uns selbst bewegt haben.