Alles, was wir erleben, wird bestimmt von Wahrnehmungsfiltern, die wir uns selbst setzen. Nun setzen wir diese jedoch meistens nicht bewußt. Viele Gedanken, die unsere Vorstellungen von der Welt hervorrufen, ruhen im Hintergrund unseres Bewußtseinsfokus und werden zu gegebener Zeit aktiv.
Die Psychologie hat für diesen Bereich bisher vor allem das Wort "Unterbewußtsein" benutzt. Ich mag diesen Begriff deshalb nicht, weil er mit unschönen anderen Begriffen verbunden ist: "Unterbewußtsein" wird in etwa so dargestellt, als sei dieser Teil von uns etwas wenig Wertvolles,Tierisches, bisweilen sogar Teuflisches, das von uns selbst getrennt gesehen werden sollte. Ich selbst sehe unser Bewußtsein als etwas Ganzes an. Alle Gedanken, sämtliche Vorstellungen, Fragen, Aufgaben, Motivationen, Wertungen, Begriffe und Emotionsmöglichkeiten bilden zusammen unser Bewußtsein, alles was ich bin. Warum sollte ich etwas von mir abspalten, das zu mir gehört? Ich denke, hilfreicher wäre es, eine Denkweise zu entwickeln, die alles integriert, was ich bin. Dann fällt es mir leichter, Verantwortung für mich zu übernehmen. Gesucht wird also ein Begriff oder deren mehrere, die beschreiben, daß ich auf unterschiedlichen Ebenen gleichzeitig und gleichwertig "funktioniere".
Da unsere Kultur bisher unser Dasein aufgetrennt gedacht hat, etwa "Körper, Geist, Seele, Unterbewußtsein", gibt es keine Begriffe für die Einheit des Bewußtseins, das so viele Aufgaben parallel ausführt. Es ist ein wenig so wie bei einem Rechner, in dem eine große Zahl von Operationen gleichzeitig ablaufen können, wir auf dem Bildschirm jedoch nur das bearbeiten können, was gerade im Fenster zu sehen ist. Ähnlich sind wir immer nur auf überschaubare Angelegenheiten fixiert, während gleichzeitig in unserem Bewußtsein alles andere auch abläuft, was noch wichtig ist für unser Dasein. Das Geschehen, in das wir gerade involviert sind, bannt einen Teil unserer Aufmerksamkeit, so daß wir die anderen Vorgänge nicht mehr wahrnehmen.
Ich reite deshalb so darauf herum, weil mir wichtig ist, so genau wie möglich herauszuarbeiten, wie wir Menschen funktionieren. Wir können unsere Aufmerksamkeit dermaßen von Ereignissen gefangennehmen lassen, daß wir die Szenen, die gewöhnlich vor unserem Auge ablaufen, schon für das ganze Theater halten. Es scheint mir wieder ein kulturelles Problem zu sein, wie die Auswahl getroffen wird, welche Szenen wir uns im einzelnen aussuchen. Die herrschende Kultur wirkt wie eine Art Massensuggestion: alle sollen möglichst auf die gleiche Art denken und handeln! Das ist also der eine Teil unseres Lebens, nämlich die Verwirklichung der kulturellen Vorstellungen.
Etwas ganz anderes sind Vorstellungen, die wir als Individuen über die gesamten Existenzen hinweg aufgebaut und gesammelt haben. In jedem Leben, das wir je geführt haben, blieb ein Rest an unerledigten selbst gestellten Aufgaben, und alle jemals selbst gestellten Aufgaben bilden unsere heute wirksamen Motivationen! (behaupte ich). Könnte es nicht sein, daß uns diese Aufgaben genau so stark antreiben wie kulturelle Aufgaben? Es spricht vieles dafür.
Wer arrangiert, wen wir treffen? Oder auf welche Weise arrangiert "es sich"?
Hintergrund: Es erscheint uns in der Rückschau oft sehr sinnvoll, ganz bestimmte Kontakte in unserem Leben gehabt zu haben. Ohne diese wäre unser Leben völlig anders verlaufen. Ist es Zufall? Auf welche Weise ist dies zustande gekommen?
Wer Rückführungen gemacht hat, wird erfahren haben, daß er viele Menschen, die in diesem Leben für ihn wichtig waren, bereits aus früheren Leben kennt, vielleicht sogar seine jetzigen Eltern oder Großeltern. Durch die nicht direkt wahrnehmbaren Antriebskräfte in uns haben wir selbst die Situationen gestaltet, in denen es möglich war, die gewünschten Kontakte herzustellen. Die anderen Personen haben das Ihre dazu getan. Das gilt nicht nur für die erfreulichen Kontakte, sondern ebenso für die unerfreulichen. Natürlich kam es vor, daß wir in einer früheren Existenz einer Person etwas versprochen haben, das wir in jenem Leben nicht mehr einlösen konnten. Eine Verwünschung oder ein Fluch ist auch so ein Versprechen, auch wenn er nur gedacht wurde und nicht laut ausgesprochen. Ein guter Reinkarnationstherapeut wird genau darauf achten, daß der Klient sich darüber klar wird, was er / sie in der entsprechenden Situation, die die auslösenden Emotionen hervorgebracht hat gedacht hat, nicht nur was gesagt wurde.
Ebenso wichtig wie das "Wiedertreffen" von Personen ist der Antrieb in uns, bestimmte Lernprozesse zu durchlaufen, bestimmte Erfahrungen machen zu wollen (manche haben das als "Karma" interpretiert), bestimmte Fertigkeiten zu entwickeln. Ohne diesen Antrieb, behaupte ich, wäre unser Leben kaum zu bewältigen, zuviel Frust und innerer Protest begleitet uns, als das wir ohne solch starken Antrieb so starke Lebenskräfte aufbringen könnten.
Ich halte diese Art von Motivationen für die Gründe, warum wir überhaupt dieses Leben gewählt haben. Jeder sollte in sich erfühlen, was von seinem Leben übrig bliebe, wenn die Motivationen nicht wären, die hinter den Kulissen manch Zufall erzeugen und in unseren Sehnsüchten Ausdruck finden. Wie sonst sollte man die Besessenheit erklären, mit der mancher seine Ideen verwirklicht, obgleich sie womöglich von außen sehr abwegig erscheinen mögen. Kleine Kinder erzählen oft, was sie im Leben so vorhaben und wer sie einmal sein wollen (bisweilen auch, wer sie gewesen sind!). Sie hätten es leichter mit uns Erwachsenen, wenn wir ihre Äußerungen anerkennen anstatt als Spinnerei ablehnen würden.