"Logisches Denken" gehört zu den großen Fallen, den großen Hindernissen zu konkreter Weiterentwicklung. Warum? Das "Logische Denken" reduziert uns in unserem Da - Sein, indem es eine bestimmte Art zu denken vorgibt. Wir denken kausal, d.h., wir glauben, konkrete Geschehnisse müßten eine definierbare Ursache haben. Wir sind davon überzeugt, daß nichts geschehen kann, ohne daß es eine Vor - Einwirkung gegeben haben müßte, die das Erlebte dann hervorgebracht hat. Daher glauben wir, daß Krankheit von Bakterien, Viren etc. hervorgebracht wird. Wir glauben auch, daß die gesamte Weltgeschichte und alles, was wir so in unserem Bewußtsein umherbewegen, in das Bild passen müßte, das wir uns vom Weltgeschehen machen. Unsere innere Logik befiehlt uns permanent, wie wir die Dinge zu sehen haben und welche Entscheidungen daraus resultieren.
Wie dächten wir, wenn wir diese innere Logik nicht ständig benutzten? Wir hätten ein ganz neues Bewußtsein, eine ganz andere Sicht der Welt und uns selbst. Es gäbe keine Tatsachen, nichts zu beweisen, die uns bis jetzt bekannte Welt löste sich in Nichts auf. Was wäre dann? Wir lebten dann in einer Welt des Spiels, in dem niemand auf die Idee käme, nach den Ursachen, nach Wirkungen und damit nach Mangel zu fragen, denn dann gäbe es keinen Mangel (Paradies, bevor jemand nach dem "wie funktioniert das?" gefragt hat...). Alles wäre für uns vorhanden, nichts brauchten wir zu erfinden, sondern es wäre ein Spiel mit dem, was um uns herum vorhanden ist. Unser Mentalzustand würde bestimmen, welche Wahrnehmungen wir hätten. Wir würden immer denken: ah ja, so ist es also, hm, interessant! Und dann denken wir nicht weiter darüber nach, was wir gesehen haben. Wir nehmen es einfach hin! Sagt uns jemand seine Meinung, nehmen wir auch diese hin. Die andere Person hat ja Recht, denn sie sieht ja alles aus ihrer eigenen Perspektive! Außerdem entfiele der Protest vollständig. Er ist eh eitel, sozusagen für die Mitmenschen, daß diese sehen, daß wir uns nicht alles gefallen lassen. Für uns selbst benötigen wir keinerlei Protest, und das wissen wir auch genau! Jeder weiß es. Protest ist anerzogen, aber vollkommen uneffektiv, da er dafür sorgt, daß wir uns länger als nötig mit unerfreulichen Umständen plagen. Dabei müßten wir uns nur ein wenig von der gegenwärtigen Fokusierung, der Ausrichtung unserer Aufmerksamkeit entfernen, dann wäre der Protest schon verschwunden. Was sollte er auch schon Gutes bewirken? Die Dinge, die geschehen sind, sind eh schon geschehen, und alles, war wir tun können, ist in aller Ruhe in uns selbst klären, daß wir solche Situation nicht zu wiederholen brauchen. Und das funktioniert am besten, wenn wir uns in eine andere innere Stimmung begeben, in der so eine Wiederholung keinen Raum hätte.
Nicht konkrete Ursachen, sondern Stimmungen und Motive in uns schaffen die erlebte Realität und gleichzeitig die Art, wie wir die Situationen erleben, emotional automatisch bewerten. Beides geschieht in uns selbst. Es ist Eins, nicht zu trennen. Unsere innere Motivation gibt uns die Wünsche, und unsere Phantasie gibt uns die als konkret erlebten Situationen, macht sie für uns real erlebbar. Es ist für uns selbst alles "selbstverständlich", was abläuft, sofern es nicht zu einem Bruch kommt, einem "Zeitriß" oder einer Wahrnehmung, die scheinbar nicht in unser System innerer Logik paßt. Erlebnisse dieser Artr deuten darauf hin, daß wir uns in einem Bewußtseinzustand befinden, der sich allmählich wandelt.
Wir möchten gerne, daß sich manche Umstände ändern, z.B. die Weltwirtschaft soll unserer Meinung nach gerechter werden, oder alle Produkte sollen wirklich umweltfreundlich hergestellt, Energie umweltgerechter erzeugt werden. Wir haben also Wünsche. Was nützen aber die schönsten Wünsche, wenn wir selbst in unserer inneren Logik auch die Einstellung haben, daß das, was die Probleme lösen und die Wünsche erfüllen könnte, utopisch ist im Sinne von "unerfüllbar"? Diese inneren Einstellungen helfen nicht, sie bremsen. Wir haben also Wünsche und Motive, die uns vorantreiben, und auch eine innere Logik, die uns bremst. Da wir die Wünsche und Motive für unser Wohlergehen und unsere Weiterentwicklung benötigen, müssen wir also unsere innere Logik verändern. Unsere bisherige innere Logik ist eine ungeeignete Programmierung. Wie können wir sie verändern?
Das Schöne an dieser Sicht der Dinge ist, daß wir nicht darauf warten müssen, daß sich etwas Entscheidendes "draußen" verändert. Wir wissen ja ganz genau, daß es dieses "draußen" gar nicht in der Form gibt! Und weil es das nicht gibt, braucht es sich ja auch nicht zu verändern, ja, es könnte sich gar nicht verändern, wenn wir selbst an eine "feste" Realität glauben würden. Wir blockieren sozusagen die Veränderbarkeit unserer Realität umso mehr wir sie als logisch oder kausal betrachten. Es beschneidet unsere konkreten Möglichkeiten, indem es uns nämlich erschwert eine Realität zu erschaffen, die für uns angenehm ist. Wenn wir in unserem Bewußtsein das, was wir uns wünschen, für "un-wahr-scheinlich" halten, entwerten und entkräften wir unsere eigene Motivation. Dabei ist "wahr-scheinlich" genau dasselbe wie "un-wahr-scheinlich": immer haben wir es mit "Schein" zu tun und nicht mit Tatsachen, weil es eben keine Tatsachen geben kann. Nicht besser ergeht es uns, wenn wir etwas "in Augenschein nehmen" oder etwas "augenscheinlich" für wahr oder für falsch halten. Unsere herkömmliche Logik, der wir selbst bisher unumschränkte Macht eingeräumt hatten, läßt einen Schein als unwahr dastehen und entlarvt sich damit selbst. Denn ein Schein ist ja immer unwahr, eben ein Schein, nicht mehr und nicht weniger. Dabei hat der Schein durchaus eine Substanz, nämlich "Mental - Struktur", aber die gehorcht nun einmal ganz anderen Gesetzen als die bisher von uns gedachte Realität, in der es mit "rechten Dingen" zugeht, alles "seine" Ordnung hat (wessen?), alles in Zeit und Raum wohl geordnet ist und hübsch nacheinander abzulaufen hat, immer schön Ursache vor Wirkung. Leider oder zum Glück tut es das eben nicht. Dinge geschehen aus ganz anderen Gründen als aus "Logik". Sie erscheinen als unsere "Realität", weil sie uns selbst von allen möglichen Realitätszuständen am ähnlichsten sind. Das, was wir innerlich sind, unser So - Sein, bestimmt, was wir als "Realität" erleben. Und weil wir uns ändern können, kann es auch unsere Realität.
Das Problem daran ist, daß wir genau dieses verneinen, wenn wir Dinge (z.B. positive Entwicklungen) für unwahrscheinlich halten, obwohl wir sie uns so stark wünschen. Wir glauben eher, daß sich "vorher" Wege und Vor - Entwicklungen abzeichnen müßten, damit wir an die positive Entwicklung, an die Erfüllung unseres Wunsches glauben können. Könnten wir wie ein kleines Kind einfach hinnehmen, wie sich etwas für uns fügt, so würden wir uns selbst nicht so oft im Wege stehen. Wir glauben, alles, was geschehen soll, müßten wir konkret "machen" oder wenigstens tatkräftig die Leute unterstützen, die es zu machen versuchen. Unser "Machen" ist zwar nicht ein grundsätzlicher Fehler, aber es könnten auch sehr viele Veränderungen geschehen ohne unser Zutun. Oft ist es besser, den Vorgang ruhen und das wirken zu lassen, was wir "Zeit" nennen. Das ist zwar "un - logisch", aber jeder weiß aus Erfahrung, daß es funktioniert!
Um Veränderungen geschehen lassen zu können, muß eines ganz klar sein: wir selbst müssen die Veränderung mit jeder Faser unseres Selbst wirklich wollen! Es darf nicht das kleinste Quäntchen an Gedanken dagegen sprechen, nichts darf in uns sein, daß die scheinbar von uns gerne und notwendigerweise angestrebte Veränderung eigentlich nicht will! Und dabei kann eben auch ein gewichtiger Hinderungsgrund unsere eigene Logik sein, die so eine Entwicklung nicht für möglich hält.
Ein weiterer Hinderungsgrund kann sein, wenn wir glauben, anderen Menschen gegenüber unsere Wünsche und Motivationen sowie die daraus resultierenden Entscheidungen verantworten zu müssen und ihnen dann erzählen, was wir uns wünschen. Es kann dabei zu negativen Rückkoppelungen kommen: der andere glaubt insgeheim, daß unser Plan niemals funktionieren kann, und er argumentiert mit uns oder macht uns den Plan schlecht. Es reicht bisweilen schon aus, wenn der Mißerfolg von den lieben Mitmenschen nur gedacht wird, denn wenn wir in mentalen Abhängigkeiten von diesem Menschen stehen, können allein die Gedanken als Suggestionen ausreichen, uns selbst ein wenig herunter zu stimmen, unsere innere Überzeugung ein wenig zu schwächen. Wenn das geschieht, kann die Realisierung darunter konkret leiden. Das jedoch ist etwas, was wir nicht gebrauchen können. Es kann sogar so drastisch sein, daß Leute, die sehr einflußreich an unserer Meinungsbildung beteiligt waren, Eltern, Lehrer, Freunde oder Pfarrrer z.B., als innere Stimmen in uns nachwirken und quasi als eine Art "Logisches Gewissen" fungieren. Auch davon müssen wir uns befreien, dem gesamten kulturellen Zeug, wenn wir anfangen wollen, selbst zu denken. Je besser uns dies gelingt, desto erfolgreicher werden wir darin sein, unsere Bedürfnisse befriedigt zu bekommen.
Fassen wir also noch einmal zusammen: unsere Stärke ist die Veränderbarkeit unseres Gemütszustandes und unserer inneren Überzeugung. Unser Schwäche ist, daß wir gerade dies bisher nicht allein beeinflußt haben, sondern mehr oder weniger von unserer Kultur vergewaltigt worden sind. Aber wir können jeder Zeit Veränderungen einleiten, indem wir es nur stark genug wollen. In uns muß eine regelrechte Sehnsucht brennen, zu erleben, wie es ist, selbst zu denken und eigene Motivationen zu entwickeln. Das gibt uns den nötigen Schub, Hindernisse in uns selbst aus dem Weg zu räumen!