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Karma und Schuld

Ich möchte die Gelegenheit, diese Seite gestalten zu dürfen, auch dazu benutzen, mit all den Vorurteilen aufzuräumen, die es über "Karma" und "Hölle" oder "Schicksal" gibt. Bedenken wir, in welchem geschichtlichen und sozialen Kontext diese Konzepte entstanden sind: Menschenleben waren in früheren Zeiten wenig wert, und manchen Herrschern mag es wichtig erschienen sein, daß sich die Leute nicht wegen Nichtigkeiten umbrachten, wie es in früheren Zeiten allerortens geschah und auch heute noch vielerorts geschieht. (Raubmord, Blutrache, Familienehre etc.) Herrscher waren darauf angewiesen, Soldaten für ihre eigenen Zwecke einsetzen zu können. Daher sollten diese ihr Leben gefälligst ihrem Staat opfern und nicht in Fehden vergeuden.

Der 2. Zweck bestand (und besteht immer noch) darin, Menschen Schuldgefühle einzuimpfen und diese so gut wie möglich aufrecht zu erhalten. Auf diese Weise ist sogar der Buddhismus, der anfangs eine Idee der Freiheit und keineswegs eine Religion war, ein religiöses Konzept geworden, das sich dann auch des Begriffs "Karma" aus dem Hinduistischen bediente, und das vor Beginn des Christentums.

Konto?

Sowohl das Konzept des "Karma" als auch des "schuldig Seins" beinhaltet, daß ein Konto geführt wird, von welchen Kräften auch immer, auf dem über gute und schlechte Taten Buch geführt wird. Der Unsinn wird sofort deutlich, wenn man bedenkt, daß "gut" oder "böse" rein kulturelle Begriffe und Wertungen sind und keinerlei absoluten Wert haben können. Jeder Krieg zeigt diese Doppelmoral. Diese Wertungen hängen von den jeweiligen Wertvorstellungen ab, die in der Kultur herrschen. Genau genommen können wir hier niemals "gut" sein, da das Leben hier impliziert, daß wir zerstören müssen. Wir können uns nicht wie Pflanzen oder ähnlich ernähren, indem wir Lichtenergie in Wärme umwandeln. Wir müssen alles, was wir zur Nahrung benötigen, töten und dann chemisch umwandeln. Das ist bisher die einzige Art, wie wir hier leben können. Natürlich ist es auch deshalb Unsinn, weil dann jedes Tier, das andere Tiere tötet, Karma auf sich lädt. Das ist wohl kaum denkbar. Wenn jemand argumentiert, es bezieht sich nur auf Tiere und nicht auf Pflanzen, dann soll derjenige einmal sagen, wo denn da der Unterschied besteht: es gibt sogar Pflanzen, die auf Freßfeinde reagieren und zwar auch die anderen Pflanzen der entsprechenden Gattung in der Nähe. Lebewesen ist Lebewesen, wer sagt, daß eines weniger Wert hätte als ein anderes? Das ist so nicht zu lösen.

Woher?

In einem Leben, in dem das Konzept "Karma" und ähnliche Wirklichkeit wäre, würden wir Menschen nicht wirklich leben wollen. Jeder hat im Laufe seiner Inkarnationen soviel Leid verursacht, daß das niemals auf die religiös beschriebene Weise wieder gutzumachen wäre. Dazu kommt, daß diejenigen Menschen, die schon viele Male hier auf Erden geweilt haben, deutlich im Nachteil wären gegenüber den Seelen, die zum ersten Mal hierher kommen. Und so muß es nach unserem Verständnis von "Zeit" wohl sein, daß eben gerade jetzt, im letzten Jahrhundert, die Zahl der Menschen auf diesem Planeten von ca 3 Mrd am Anfang des 20. Jh. auf nahezu 6 Mrd verdoppelt haben. Diese dazugekommenen Menschen müßten dann ja ein paradiesisches Leben hier auf Erden führen, so ganz ohne Karma und Schuld, nicht wahr? Das tun sie jedoch keineswegs. Gerade einmal 1,5 Mrd Menschen führen auf diesem Planeten ein einigermaßen akzeptables Leben, wenn wir es vom Lebensstandard her auffassen. Der Rest hungert, ist arm, ist krank, lebt höchstens am Existenzminimum. Woher sollte also da Karma oder Schuld bei diesen Menschen kommen? Es sind Konzepte, die der Unterdrückung und Disziplinierung der Menschen gedient haben und immer noch dienen. Es wird Zeit, sich davon zu emanzipieren!

Schuldgefühle

Nun ist es keineswegs so, daß es keine Wirkungen gibt, die von früheren Existenzen herrühren. Da es Moral in jeder Zeit gegeben hat und das Konzept "Schuld" oder "Karma" schon sehr lange gewirkt hat, lebt es sozusagen schon lange in uns. Es wirkt sich selbst erfüllend, d.h., wenn jemand glaubt, er habe gegen ein solches Gesetz verstoßen, wird er sich innerlich darauf einstellen, Leid zu erleben. Er wird unkritisch den herrschenden Verhältnissenn gegenüber und sein innerer Zustand ist nicht "neutral". Das bedeutet, jemand, der glaubt, sich einer Tat gegen jemanden verantworten zu müssen, zieht leichter unangemesene Ereignisse in seinem gegenwärtigen oder folgenden Leben an sich. Seine Erwartungen erfüllen sich sozusagen von selbst. Der Dreh - und Angelpunkt dabei ist jedoch immer das Schulgefühl. Ohne Schuldgefühl funktioniert keine Wirkung in das eigene Bewußtsein hinein. Niemand, der sich im Recht fühlt oder der weiß, daß er keine Schuldgefühle haben muß, ganz egal, was er tut, wird so eine Selbstbestrafung an sich vornehmen. Und wer einmal Schuldgefühle hatte, kann sich davon befreien, indem er sich selbst konkret ändert, indem er sich selbst vergibt für alles, was er je anderen angetan hat. Das kann durchaus ein sehr schwerer Prozeß sein. Wir sehen, das einzige, was hier wirken würde, wäre das Schuldgefühl in uns selbst. Alle anderen Konzepte beruhen entweder auf bewußter Ausnutzung von Schulgefühlen für machtpolitische Zwecke oder auf einem Mißverständnis bzw. falscher Auslegung irgendwelcher Texte.

JHC 19. November 2003