Wer konkrete Probleme loswerden will, muß sich für Lösungen öffnen. Das hört sich zwar "nett" an, bedeutet jedoch nicht weniger, als die gesamte Persönlichkeit neu auszurichten. Das bedeutet, etwas von sich selbst, etwas, was die Persönlichkeit ausmacht, zu verändern bzw. aufzugeben. Die Frage ist, wie wir so etwas schaffen. Wir kommen nicht daran vorbei, uns selbst Techniken zur Weiterentwicklung anzueignen. Jeder hat "Innere Erfolgssysteme", die er schon immer benutzt hat. Wir sollten uns klar machen, was uns bisher in schwierigen Situationen geholfen hat (Techniken, die wir intuitiv benutzten). Das waren unsere eigenen Strategien, und diese gilt es weiter zu entwickeln und zu verstärken. Auch wenn es zunächst nicht den Anschein hat, sitzt doch genau hier unser Entwicklungs-Potential. Benutzen wir Techniken anderer, bringt uns das damit in die Denkrichtungen anderer, statt uns selbst mehr Freiheit zu verschaffen. Wir können eigene Techniken entwickeln, indem wir in uns forschen, zu welcher Gelegenheit wir es erfolgreich geschafft haben, uns von unangemessen gewordenen Verhaltens - und Denkweisen zu trennen.
Welches sind die Hauptfehler, die in diesem Zusammenhang gemacht werden? Wir protestieren innerlich, wir sind ohne Zuversicht, wir schauen mehr auf das Problem als auf flüssiges Hinübergleiten in einen anderen inneren Zustand, das uns automatisch die Lösung bringen würde.
Was hält uns in den alten Gewohnheiten und Überzeugungen fest? Ich glaube, es hat etwas mit der Unsicherheit zu tun, die uns immer dann befällt, wenn wir gewohnte Pfade verlassen. Das gilt für ein Individuum ebenso wie für eine Familie, Gruppe oder eine Gesellschaft. Das, was wir immer tun, läßt uns die trügerische Sicherheit empfinden, alles sei in Ordnung, nichts müßten wir fürchten oder verändern. Das machen wir so lange, bis die äußeren Umstände sich so stark verändert haben, daß es nicht mehr geht. Dann entsteht ein Mangel, Vorgänge funktionieren nicht mehr wie gewohnt, der Körper reagiert mit Unwohlsein. Zu diesem Zeitpunkt müßten wir eigentlich bemerken, daß wir neue Lösungen finden müßten, aber da dies mit Aufgeben liebgewonnener Gewohnheiten zu tun hätte, unterlassen wir es und lavieren uns so gut es geht hindurch. Die früher erarbeiteten Strategien funktionieren nicht mehr so gut, aber anstatt uns selbst am Schopf zu packen und uns dazu zu zwingen, neue Strategien zu erarbeiten, versuchen wir, neue Situationen und daraus entstehende neuen Aufgaben mit alten, gewohnten Strategien zu lösen. Dies ist keine Schwäche, die einige Menschen haben und andere nicht, sondern es handelt sich hierbei um eine Schwäche, die ausnahmslos alle Menschen auf dieser Realitätsebene haben: Niemand ist in der Lage, sofort auf jede neue Situation angemessen zu reagieren, jeder versucht es zuerst mit gewohnten Verhaltensweisen. Das kann zum Erfolg führen oder auch nicht. Aus Mißerfolg resultieren Mißverständnisse, Zeitverlust, Organisationsmängel, Kommunikationsprobleme aller Art, Krankheiten, Geldverluste, Unfälle, Aggressionen. Es ist jedoch nichts anderes geschehen als unangepaßtes Verhalten. Mit den Folgen beschäftigen sich Richter, Anwälte sowie die gesamten Angehörigen des Gesundheitssystems.
Dort, wo wir gezwungen sind, ständig flexibel zu reagieren, schaffen wir es recht gut: beim Autofahren z.B, und die Wenigen, die es nicht schaffen, sortieren sich schnell aus durch Unfälle. In der Kommunikation mit unseren Mitmenschen müßten wir es doch eigentlich genauso schaffen. Wo besteht der Unterschied? Im Straßenverkehr gehen wir mit so großen Kräften um, die es einfach gebieten, dermaßen flexibel zu reagieren, wie wir es gemeinhin tun. Täten wir es nicht, gerieten wir sofort in die Mühlen dieser Kräfte, und das würde unseren Körper unverzüglich zerstören. Bei der Kommunikation sind die Wirkungen bei Fehlverhalten anders: sie sind unangenehm, können ein unfreundliches Millieu um uns schaffen und Mißverständnisse können durchaus auch am Geldbeutel nagen. Aber die Fehler in der Kommunikation werfen uns nicht gleich um oder zerquetschen uns nicht wie im Straßenverkehr, es besteht so eine Art "Trägheit", aus der eine gewisse Toleranz gegen Fehler resultiert.
Unflexibles Verhalten praktizieren wir Menschen auch dort häufig, wo wir etwas Praktisches oder Intellektuelles lernen müßten, z.B. um ein Gerät bedienen zu können, um ein kleines praktisches Problem lösen zu können oder um einen liegengebliebenen Vorgang abzuschließen. Den einen graust es vor neuen Computerprogrammen, den anderen davor, eine kleine Batterie in ein Gerät einzusetzen oder eine Lampe anzuschließen. Gegenstände an Wänden festzudübeln ist auch nicht jedermanns Sache.
Bisher war von mehr oder konkreten Situationen die Rede, bei denen das unflexible Verhalten offensichtlich ist. Kommen wir nun zu weniger durchsichtigen Bereichen. Wem gelingt es, sofort zu erkennen, daß die eigene Weltanschauung nicht geeignt ist, die gerade erlebte Situation erklären zu können? Eher sagen wir, wir müßten uns getäuscht haben, wenn wir etwas erlebt haben, das nicht in unser Wertesystem paßt als daß wir unser bisheriges Wertesystem in Frage stellen. "Zufall", sagen wir dann oder "Sinnestäuschung". Dabei hat uns das Schicksal nur eine Chance zur Weiterentwicklung des eigenen Bewußtseins geboten, und wir lehnen sie meistens ab! Kleinere Wahrnehmungen lassen wir nicht einmal über unsere Bewußtseinsschwelle, nehmen sie nicht wahr. Hat eine andere Person etwas Außergewöhnliches erlebt, glauben wir eher selten an Authentizität. Eher bezichtigen wir diese Person der Lüge, Übertreibung, Träumerei und kommen nicht auf die Idee, unsere eigene Weltanschauung könnte einfach nicht ausreichen, Phänomene der bezeugten Art mit aufzunehmen zuzulassen. Das Haar in der Suppe, die ein anderer kocht, ist viel leichter zu finden als die Unzulänglichkeit in unserem gegenwärtigen Weltbild. Unser Weltbild ist ein Heiligtum, und alles, was da nicht hineinpaßt, bekommt von uns ein anderes ideologisches Etikett, damit es wieder paßt. Ich denke, es gibt niemanden, der das nicht macht, weil wir Menschen zur Zeit einfach so wenig entwickelt sind. (Ich jedenfalls bin es leider, obwohl ich es nicht will).
Wie verhalten wir uns, wenn unser Wissen nicht ausreicht, um eine Situation zu lösen? Wir Menschen neigen dazu, lieber herumzustümpern, als zugeben zu müssen, daß im uns Moment nicht genügend Informationen und Fähigkeiten zur Verfügung stehen, um das Problem gründlich und nachhaltig zu lösen. Viele Umweltprobleme blieben uns erspart, wenn wir Menschen mit "Verbesserungen" warten würden, bis Lösungen gefunden sind, die keine Schäden in anderen Bereichen verursachen ("Nebenwirkungen"). Aber so ist es eben, wenn man kein nachhaltiges Wirtschaftssystem hat (das die Lebensqualität für alle steigert und nicht die der einen Gruppe verbessert auf Kosten der anderen und der Umwelt). Da regiert eben das Geschäft, das zu machen ist, die Gewinnerwartung.
Wie können wir auch in den oben angesprochenen Bereichen flexibler werden? In der Kommunikation müßten wir ehrlicher werden und dadurch lernen, auseinander zu halten, was wir selbst wirklich wollen und was andere wollen. Dadurch entgehen wir den Suggestionen anderer leichter als gewohnt und daurch vermeiden wir leichter, selbst andere mit Suggestionen zu überschütten. Wir sollten uns selbst Raum ausbitten in der Kommunikation und wir sollten den anderen ebenenfalls Raum geben. Wir sollten gelegentlich an unsere Mitmenschen liebevoll appellieren, selbst die Verantwortung für ihre Weiterentwicklung wahrzunehmen, anstatt sie wie üblich an andere abzugeben. Nur dort, wo wir ganz alleine für die Folgen des Tun des Teams verantwortlich sind, dürfen wir alle Überzeugungskraft einsetzen, die uns zur Verfügung steht. In allen anderen Fällen können wir ehrlicherweise nur an die anderen apellieren, ihrerseits an ihren Teil der Verantwortung zu denken.