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Mehr Freiheit

Wenn ich die gesamte Realität, die ich erleben kann, als "Mental - Struktur" auffasse, möchte ich natürlich davon profitieren. Und ich möchte, daß alle davon profitieren. Es muß eine Weiterentwicklung bedeuten, sich von materialistischem Denken abzuwenden. Wie können wir das?

Am besten nähere ich mich meinem Thema, indem ich eine gegenteilige Auffassung betrachte: alles um mich herum wäre dann feste Materie plus genau definierten Erscheinungen, die alle mit dem Materie - Modell erklärbar sind. Alles Materielle wäre dann sehr schwer zu verändern, Krankheiten wären dann Folgen von Fehlfunktionen der Maschine "Mensch" und es wäre gleich, was man und wie man denken würde: alles würde gemäß den Gesetzmäßigkeiten des Zufalls ablaufen oder aus einer mechanischen Ursache. "Biologisch" oder "chemisch" wäre auch nur mechanisch bzw elektrisch, wenn ich von Atomkräften ausgehe, die atomares Geschehen verursachen, das Verändern von Elektronenbahnen oder die Anzahl von Elektronen. So ähnlich stellen unsere Wissenschaftler sich vor, was sich materiell vermeintlich abspielen soll. "Erfolgsdenken" oder "Ziel-denken" (z.B. Umsatzziele, sportliche Ziele etc) wären barer Unsinn.

Materialisten?

Wer möchte in so einer Welt leben? Es wäre eine Welt ohne Hoffnung, ohne eigenen Einfluß (außer man ist körperlich oder finanziell stark genug). Was könnte uns noch motivieren, all die Qualen auf uns zu nehmen, denen wir ausgesetzt sind? Die Hoffnung auf einen glücklichen Zufall? Das wäre töricht und dumm, und es würde nicht funktionieren (Wahrscheinlichkeitsrechnung). Die Motivation wäre nicht da, und die Menschen würden nicht lange durchhalten, weder als Individuum noch als gesamte Menschheit. Es gäbe wohl auch keinen Gemeinsinn, denn jeder wäre darauf angewiesen, in seiner Lebenszeitspanne alle Freuden erleben zu können, und das würde wahrscheinlich zu einem übertriebenen Egoismus mit sehr großer Kriminalität / Gewaltanwendung führen.

Jetzt höre ich jemanden sagen: aber das ist ja genau die Welt, in der wir leben!

Tatsächlich gibt es diese Strömungen, ausgelöst und verstärkt durch die Philosophie des Materialismus, durch die gängigen Massenmedien transportiert und durch die Universitäten "weiterentwickelt". Aber diese Leute, die davon überzeugt sind, daß die Welt auf diese Weise funktioniert, würden diese Welt nicht lange zusammenhalten: die die Welt zusammenhalten, sind Menschen, die Hoffnung haben, die für andere etwas tun, die anderen gut zureden, die an Entwicklung glauben - nicht aus kopfgesteuerter Religiösität, sondern aus der tiefen Einsicht heraus, daß es eben mehr gibt als bloß Geld, Reichtum, oder Mangel und Armut.

Es mag eine gewagte Behauptung sein, aber ich meine: wir Menschen, die Menschheit, lebt nur deshalb noch, weil eben nicht jeder innerlich materiell orientiert ist, weil wir unbewußt (noch nichts davon gewußt) unsere Motivationen faktisch aus einer anderen Ebene beziehen. Unwissend aber ahnend sind wir uns sicher, daß wir erstens unsterblich sind, und zweitens daß wir uns über unseren gegenwärtigen Zustand hinaus entwickeln, hin zu mehr Menschlichkeit, wahrer Intelligenz, Großzügigkeit und Wohlwollen. Es gibt ja heute auch Unterschiede im Charakter von Menschen, und ich behaupte, daß diejenigen, die solche Sachen wie "Holocaust" oder "Krieg" einfach nicht mehr mitmachen, weiter entwickelt sind als die reinen Materialisten. Allerdings gehe ich davon aus, daß auch diese sich von Leben zu Leben weiterentwickeln und ihre unseligen Verstrickungen auflösen, die bisher den Durchbruch in der Entwicklung verhindert haben. Irgendwann werden auch diese Leute sich der Mehrheit anpassen, die schon viel menschlicher geworden ist als es noch vor 100 bis 200 Jahren war. Auch hier in Europa galt zu anderen Zeiten ein Menschenleben nicht viel, und das hat sich ja wirklich geändert. Kaum jemand stirbt durch fremde Gewalt, das war "früher" sicher anders. Kaum jemand erreichte vor 200 Jahren sein theoretisch mögliches Alter, da Krieg und sonstige Auseinandersetzungen an der Tagesordnung waren. Es war normal, und das ist es heute nicht mehr. Die Zahl der Wehrdienstverweigerer nahm stark zu in den letzten Jahren. In manchen Ländern ist die Wehrpflicht längst abgeschafft. Es findet meines Erachtens durchaus eine Entwicklung statt, beim Individuum besonders durch wiederholte Erdenleben (das kann ich aus meiner Anschauung bezeugen, da ich einige Leute auch in ihrer letzten Existenz kannte und sehe, daß sie jetzt menschlich viel weiter entwickelt sind). Niemand würde Spontanheilung erfahren, Kranke müßten "repariert" werden. Welch absurde Vorstellung! Es lassen sich viele Hinweise finden, daß wir eben nicht in einer materiellen Welt leben, in der alles, was geändert werden soll, mit Kraftaufwand geändert werden muß wie wir heute in unserer Kultur noch meistens glauben.

Ich meine, man erkennt auch und gerade gefühlsmäßig, daß rein materielles Leben zu nichts führen kann, wofür es sich zu leben lohnte.

Der Nutzen des neuen Bewußtseins

Ganz anders ist es in einer Realität, die durch die verschiedenen Lebewesen selbst geschaffen wird, wie ich in "Materie als Mentalstruktur" [ 1 ] dargelegt habe. Wenn wir alle also an der Erschaffung unserer Realität beteiligt sind, dann liegt es nahe, zu fragen, warum wir sie dann nicht so gestalten, daß wir glücklich und in Saus und Braus leben und uns alle lieben. Um das zu verstehen, können wir uns klar machen, daß wir Menschen durchaus nicht wollen, daß sich so vieles so schnell verändert. Wollten wir es, würden wir mehr Bereitschaft zeigen, unsere innere Einstellung den erforderlichen Gegebenheiten anzupassen. Wie lange dauert es, bis wir eine Gewohnheit, die wir selbst nicht lieben, abgelegt haben? Von Süchten will ich gar nicht erst reden. Selbst die kleinste Einsicht (gleich Bewußtseinsänderung) kann unerträglich lange dauern, besonders dann, wenn wir sie von anderen verlangen (kann der denn nicht mal vernünftig sein?) oder jemand von uns verlangt, daß wir uns ändern, weil er berechtigter Weise von uns genervt ist. Wie oft verschieben wir eine Arbeit, obwohl wir genau wissen, daß sie getan werden muß? Warum fällt uns jeder neue Anfang denn so schwer? Warum lernen wir so schwer etwas Neues hinzu, z.B. den Umgang mit dem PC als älterer Mensch oder als Nicht - Technik - Freak? Ich weiß, die Psychologie postuliert, um dieses erklären zu können ein "Unter - Bewußtsein", so eine Art "Automaten" für biologische Funktionen mit einem Schuß Eigenwillen und bisweilen etwas Bösartigkeit und Dummheit Sind wir das wirklich? Oder steckt etwas anderes dahinter? ich werde versuchen, das Problem anders als kulturell gewohnt zu betrachten.

Verschiedene Stufen von Konzentration

Für mich ist es einsichtig, das wir Menschen verschiedene Intensitäten der Konzentration auf das Geschehen und Erleben haben. "Richtig" bewußt, mit diesem antrainierten Gefühl von Gegenwartskonzentration, sind wir nur auf einen kleinen Ausschnitt unserer Realität ausgerichtet. Wir denken gerade einigermaßen konzentriert an das, was wir "tun": wir fahren im Straßenverkehr, haben unseren inneren Dialog, sehen fern mit gleichzeitigem inneren Dialog, sind in Diskussion mit anderen Menschen, spalten Feuerholz, telefonieren, schreiben und gleiten dabei ab zum inneren Dialog, oder wir lesen. Und wir wissen, daß das noch nicht das ganze Leben ist. Gleichzeitig haben wir telepathischen Kontakt mit allen anderen Lebewesen, mit denen wir einen gemeinsamen "Gedankenpool" bilden (morphische Felder). Gleichzeitig wirken viele Suggestionen (vgl. Text "Suggestion und Manipulation" [ 2 ]) auf uns ein, auf die wir teilweise reagieren. Gleichzeitig formen wir Erinnerungsstrukturen in unserem Bewußtsein. Gleichzeitig fallen uns Lösungen für Probleme in Projekten ein, mit denen wir auch noch zusätzlich befaßt sind. Gleichzeitig erinnern wir uns an Namen, die uns gestern nicht einfallen wollten. Das ist eine ganze Menge zur gleichen Zeit. Da können wir doch nicht sagen, was wichtiger ist: das Einfallen der Lösung für das alte oder parallele Problem, die Erinnerung an den vergessenen Namen oder das, auf was wir gegenwärtig die Hauptkonzentration gelegt haben. Alles das zusammen ist unser Leben, und alles ist gleich wichtig. Würde es sonst geschehen? Oder handelt es sich hier um einen Versuch, ein Experiment, das irgend eine Institution mit uns Lebewesen auf der Erde durchführt?

Wenn wir anspruchsvollere Aufgaben haben, sagen wir freihändiges Schweißen von Stahlplatten oder Rohren, sind wir in einer viel höheren Konzentrationsstufe als z.B. beim "normalen" Autofahren, (d.h. wenn wir keine besondere Gefahren erwarten). Wenn es ein gutes Ergebnis bringen soll, dürfen wir kaum verrutschen oder zittern, sonst wird die Schweißnaht mies. Die besonders hohe Konzentration ist dann fast keine "normale" Lebensdarbietung, sondern man ist fast in Trance dabei, einer Art "Selbst - Hypnose". Und wenn dann etwas nicht so funktioniert, wie wir es uns vorgestellt haben, können wir entweder in eine verkrampfte Konzentration verfallen, oder uns bewußt lockerlassend einer Lösung öffnen. Steigern wir unsere Beharrlichkeit und damit unsere Konzentration weiter und lassen dann los, dann funktioniert es plötzlich, und wir erreichen unser Ziel. Das funktioniert sogar in Gruppen, wo es darum geht, einen Konsens zu erreichen oder einen Kompromiss zum Handeln. Es funktioniert genau so in Langzeitprojekten. Unser gesamtes Lebensgefühl ist während solcher Vorgänge anders, und ebenfalls unser Zeitgefühl. Wir können das Gefühl von Zeitraffung oder Zeitdehnung haben, auf die Uhr bezogen. Ich denke, viele Menschen sitzen deshalb so gerne vor dem Rechner oder dem Fernseher, weil sie dort so etwas erleben, und das meistens, ohne es zu bemerken. Es ist "nur" das Gefühl. Ist es nicht phantastisch, daß es so etwas gibt?

Es ist wohl so, daß wir meistens nur teilweise auf das gegenwärtige Geschehen konzentriert sind. Die trance - artige Konzentration erreichen wir zu gewissen Gelegenheiten, es ist fast wie beim Sex, wenn er gut ist. Was wäre, wenn wir es schaffen könnten, diese trance - artige Konzentration, wo uns fast alles gelingt, auch in anderen Situationen anwenden zu können, an die wir noch gar nicht gedacht haben? Wäre es nicht möglich, so etwas auch dann zu erreichen, wenn es darum geht, die eigene Denkgewohnheit in eine wünschenswerte Richtung zu lenken? Wenn wir damit "Überzeugungsarbeit" leisten wollen, und zwar bei uns selbst? Wenn wir gesund werden wollen oder andere dazu bringen wollen, gesund zu werden? Wenn sich für uns ein spezieller Wunsch erfüllen soll?

Keine fertigen Lösungen

Jetzt soll niemand von mir erwarten, daß ich eine fertige Lösung anbiete, die dann nur noch in die Schüssel unseres Lebens eingerührt zu werden braucht und dann geht's ab in die Seligkeit! Wenn jemand schon einmal versucht hat, mit Rezepten anderer zu einem Ergebnis zu kommen, daß er sich selbst vorgestellt hat, dann wird ihm bewußt geworden sein, daß so etwas nicht funktionieren kann. Ein Grundprinzip unseres Lebens scheint zu sein, die gesamte Entwicklung, die uns als Individuum betrifft und an der wir nicht vorbei kommen(!), wirklich selbst in die Hand nehmen zu müssen. Und was entwickeln wir? Wir entwickeln die Fähigkeit weiter, selbstbestimmt zu denken und damit zu leben, und das immer mehr im Einklang mit unseren Mitmenschen. "Einklang" heißt hierbei, ihnen Raum zu lassen für Selbstbestimmung, sie nicht mit schädigenden, sondern stets mit aufbauenden Suggestionen zu beeinflussen (jeder beeinflußt ständig jeden, ob er will oder nicht!). Wir könnten uns dahin entwickeln,in jeder Situation die Ruhe zu bewahren, die Konzentration auf das Ziel, überhaupt Ziele haben, die wirklich uns selbst dienen und nicht den Machterweiterungen anderer.

Innere Überzeugung

Wir denken selbst, und wir lernen, nach dem zu handeln, was wir denken. Wir machen uns immer wieder bewußt, daß wir "Geist" sind und unsere Wirklichkeit ebenfalls "Geist" ist, und "Geist" ist veränderbar. Das allein ist der Schlüssel zu unserer Entwicklung, denn je mehr wir uns dessen bewußt werden, in jedem kleinsten Gedanken von uns, desto besser können wir diese Überzeugung auch auf allen Ebenen unseres Daseins nutzen. Da die meisten erfreulichen Dinge geschehen, ohne daß wir "direkt" der bewußte Urheber davon waren, sondern deshalb, weil wir einen inneren Drang hatten, so etwas zu erleben, ist es wohl sehr wichtig, diesen "inneren Drang" besser als bisher zu entwickeln. Ich behaupte, je klarer wir in unserem gesamten So - Sein wissen, daß alles geistig und damit beweglich ist, veränderbar, je besser gelingt es uns, lebenswerte Ziele zu entwickeln und je besser gelingt es uns, diese Ziele auch zu erreichen. Damit werden wir freier insofern, als wir eine größere Autorität entwickeln, und das verschafft uns "Spiel - Raum" im wahrsten Sinne.

"Autorität" ist in meinem Sinne die Überzeugungskraft, Dinge geschehen lassen zu können, die man sich zum Ziel gesetzt hat. Dabei ist es jedoch kaum wichtig, mit der Kraft der Gedanken Steine oder Autos in die Luft zu heben. Vielmehr ist erforderlich, sich wohl zu fühlen, gesund zu sein, keine Katastrophen zu verursachen (manche haben viel Talent, Chaos zu stiften, wo auch immer sie sich befinden). Es ist erforderlich, vernünftige Lösungen für Alltagsprobleme zu finden, die richtigen Ideen zu bekommen, auch politisch, angemessene Kommunikation zu initiieren und aufrechtzuerhalten, die richtigen Worte in der richtigen Reihenfolge zu finden, wenn man einen Text verfaßt. Es ist unbedingt erforderlich, jede Blockade, die einer eigenen Entwicklung im Wege steht, als solche erkennen und überwinden zu können. Jeder muß es für sich tun, und jeder erhält dafür den Lohn, das Gefühl, daß sich etwas bewegt in der eigenen Entwicklung.

Das Schöne ist, daß es wunderbar ist, mit Menschen zusammen zu sein, die alle das Gleiche wollen, nämlich sich selbst zu entwickeln. Jeder bekommt auf diese Art viel Gelegenheit, anderen ein Spiegel und ein Partner zu sein. Dazu bedarf es einer gehörigen Portion Bereitwilligkeit. Damit das funktioniert, müssen wir das richtige Millieu um uns herum schaffen. In einem streng materialistischen Millieu hat es jemand sehr schwer, seine spirituelle Entwicklung voranzutreiben. Da bedarf es einiger Entscheidungen, im Sinne von Sich - trennen - können von Menschen, die der Auffassung sind, alles müsse materiell erklärbar und handhabbar sein. Man bezeugt damit nicht Liebe und Anerkennung, indem man sich selbst und seine eigene Entwicklung zurückstellt, um Materialisten und Egoisten in ihrem Tun und Denken zu bestärken. Genauso wenig möchte man sich immer an ihnen reiben. Da ist es besser, Abstand zu erzeugen und zu halten. Die Annäherung kann ja jederzeit wieder erfolgen, wenn die Stimmung sich geändert hat. Und es ist verblüffend, zu erleben, daß mancher Materialist sich entweder von selbst abwendet, wenn er mit den Überzeugungen zu einer anderen Auffassung von "Realität" konfrontiert wird, oder langsam zu einer angepaßteren Überzeugung hinübergleitet.

[1] Materie als Mentalstruktur
[2] Suggestionen und Manipulationen

JHC 31. Oktober 2003