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Esoterische Theorien und Praktiken

Es existieren viele Veröffentlichungen über allerlei esoterische Theorien und angebliche "Wahrheiten" und "Königswege". Eine sehr große Anzahl von Büchern wurde verfaßt. Ständig kommen neue hinzu. Manches ist sich ähnlich, und vieles widerspricht sich. Was ist brauchbar und was nicht?

Die angebotene Vielfalt zeigt, daß Leser sehr verschieden sind und daß ein riesiges Bedürfnis nach "Nahrung" besteht, die helfen soll, die eigenen Mängel zu beseitigen. Sie zeigt auch, daß es viele Wege gibt, das Leben zu denken. Die Frage ist, was zu wem paßt, nachdem klar ist, daß es keine absolute Wahrheit geben kann. (Einsteins wahrer Verdienst ist, das Wort "relativ" so geläufig gemacht zu haben...) Nun, machen Sie sich keine Sorgen, etwas "Falsches" zu lesen oder etwas "Richtiges" zu verpassen. Was uns zufällt, können wir testen, ob es wirklich etwas Wertvolles für uns bereit hält. Damit nicht die Bücherregale überquellen und das Konto nicht schwindsüchtig wird, empfehle ich, vor dem Kauf so viele Informationen / Leseproben wie möglich einzuholen. Das Internet ist ja nun wirklich eine sehr bedeutende Fundgrube für derartige Informationen. Man kann nüchtern bleiben und unterliegt nicht den Kaufsuggestionen, die von Läden oder gar überdachten Einkaufsstadtvierteln ausgehen.

Man erfährt möglicherweise auch mehr über den sozialen Kontext des Verfassers und liest die eine oder andere Rezension. Worauf gründen wir dann unsere Entscheidungen zum Kauf oder Nichtkauf?

Bücher brauchen wir dann als eigene, wenn wir mit einem bestimmten Text eine Weile arbeiten wollen oder evtl. wiederholt. Wenn wir uns nur kurz anregen lassen wollen, um eine Denkblockade zu überwinden oder etwas zu begreifen, daß uns bisher verschlossen blieb, reicht das Internet oder die Leihbücherei völlig aus. Vermeidung von Fehlkäufen schont das Konto und auch die Wohnung muß nicht alsbald vergrößert werden. Wir dürfen nicht vergessen, daß es nur darum geht, etwas in uns selbst zu aktivieren, das vorhanden ist. Neues gibt es sowieso nicht, alles ist in uns oder um uns herum. Wir müssen nur die geeigneten Denkschritte finden, und damit können wir nicht fehlen, denn alles, was geschieht, geschieht spiegelgleich zu unseren inneren Entwicklungsschritten. Wenn etwas, das wir uns sehnlichst wünschen, nicht geschieht, dann deshalb, weil der Entwicklungsprozeß in uns noch nicht weit genug fortgeschritten ist. Unser innerer Zustand entspricht noch nicht dem Vorgestellten, Gewünschten. Wenn wir das begreifen, fällt es uns leichter, Geduld mit uns zu haben.

Sollte es uns passieren, ein scheinbar ungeeignetes Buch gekauft zu haben, können wir sicher sein: in jedem Buch steckt ein Wort oder ein Satz, den wir benötigen, um uns weiterzuentwickeln. Es muß uns nicht einmal klar werden, welches es war. (Das trifft nicht auf Kaufsuchtverhalten zu, dann ist die primäre Aufgabe in dem Kontext zu suchen, dieses abzustellen).

Was ist von "ungewöhnlichen" Informationen oder Praktiken / Übungsmethoden zu halten? Es muß ein konkreter Nutzungseffekt zu erkennen sein, dann gäbe es eine Motivation. Ist die Theorie oder die Übung sehr weit von unseren Gefühlen entfernt, ist es sicher besser, auf etwas angemesseneres zu warten. Es ist hier so wie im restlichen Leben auch: alles, was geschieht, hat mit unserem gegenwärtigen Zustand zu tut. Es geht nicht anders, da wir nicht in der Lage sind, etwas uns völlig Fremdes wahrzunehmen. Das Wahrgenommene muß unserer eigenen Schwingung ähnlich sein, sonst empfangen wir sie nicht. Das Spektrum unserer Wahrnehmungen reicht genau so weit wie unser So - Sein es zuläßt. Deshalb brauchen wir auch eigentlich nie Angst zu haben. Geschieht eine Katastrophe, werden wir so weit entfernt sein, daß wir selbst genau so viel erleben, wie wir für unsere Weiterentwicklung als Motivation benötigen. Wir selbst, unsere eigene Motivation, unser selbstgemachter Lebensplan, unser "Karma", wird immer dem entsprechen, was wir erleben. Angst können wir also nur vor dem haben, was wir als einen zu großen Schritt empfinden würden. Da jedoch das Außen gleich dem Innen ist, kann es nicht geschehen, einen zu großen Schritt zu machen. Anstehende Veränderung als solche kann Angst erzeugen. Dann müssen wir klaren Kopf bewahren und erkennen, daß es unausweichlich ist, zu erleben, was wir uns selbst "herbeidenken". Und was werden wir uns selbst herbei - denken? Weil wir innerlich voller Aufgaben sind, voller Lernprozesse, die eine Spannung auf "Erledigung" erzeugen, werden wir uns genau das herbei denken, was uns selbst entspricht. Der Rest der Menschlichen Gesellschaft muß es nicht toll finden, was ich mache und was ich erlebe, was mir geschieht. Und ich schulde nur mir selbst Rechtfertigung, niemandem sonst.

Das bedeutet nicht mehr und nicht weniger, daß wir gar nicht in der Lage sind, etwas "falsch" zu machen. Wir können durch unser Wollen und Wünschen nur etwas arrangieren, das uns selbst ähnlich ist, das wir für unseren Lernprozeß benötigen, für die anstehende Erfahrung. Ahnen wir den Ausgang der Erfahrung konkret, müssen wir sie nicht erst machen. Dieses Ahnen kann bisweilen auch mit unguten Gefühlen verbunden sein, mit Angst. Dann vermeiden wir die Situationen besser. Sind wir nur unsicher, warten wir, bis wir sicher sind, das Richige zu tun.

Ich weiß, unsere Kultur hat uns gelehrt, zu werten, Ereignisse aufzubauschen, zu übertreiben, was die Theorien angeht bezüglich "Schicksal" oder "Karma". Was soll's? Kultur sind die anderen, und ich bin ich! Wer meint, mich wegen meiner Unzulänglichkeiten und noch nicht vollendeten Lernschritte besonders bedauern oder belächeln zu müssen, soll sich mit seinen eigenen Lernprozessen befassen. Dann hat er nämlich gar keine Zeit für mich und mein Schicksal.

Doch kommen wir zurück zu den esoterischen Praktiken. Wer den Text "Magie" [ 1 ] gelesen hat, sieht vielleicht, daß es bei jeglichen esoterischen Praktiken genau darum geht: um Magie nämlich, darum, etwas in Bewegung zu bringen, was nicht von selbst laufen will. Es ist so, als ob man am Gras ziehen wollte, damit es schneller wächst. Das Entscheidende sind nicht die Praktiken, sondern die Selbstüberzeugung, das, was wir zu erreichen wünschen, auch tatsächlich mit jeder Faser unseres Selbstes zu wollen. Nur dafür brauchten wir Praktiken und Rituale (Selbstüberzeugung). Wenn es uns zweckmäßig erscheint und keine Nebenwirkungen drohen, = wenn wir Lust darauf haben, können wir es ausprobieren. Wenn wir es nur dann tun, kann uns nichts geschehen. Nur mitreißen lassen von irgendeiner Gruppendynamik sollten wir uns nicht, aber das gilt ja für alles: immer schön Abstand halten, besonders dann, wenn jemand gute Verkaufstaktiken (Überzeugungskraft) benutzt oder gar Massenhypnose. Solche Einwirkungen auf unsere Persönlichkeit zu bemerken, ist schon ein guter Schritt auf dem Wege zu mehr Freiheit.

[1] Magie, Suggestion und Hypnose

JHC 22. November 2003