JHC

Eigene Werte

Müssen wir denken, was alle denken?
Müssen wir tun, was alle tun?
Müssen wir kaufen, was alle kaufen?
Müssen wir glauben, was die meisten glauben?

Lernen wir, die Aussagen anderer zu hinterfragen und die Absicht dahinter zu ergründen.
Lernen wir, gesellschaftliche Selbstverständlichkeiten aus der eigenen Perspektive zu sehen.
Lernen wir, Aussagen anderer auf ihren Nutz - Gehalt für uns abzutasten.
Lernen wir, Suggestionen als solche besser zu erkennen.
Lernen wir, unsere Einzigartigkeit einzusetzen.
Lernen wir, wirklich intelligent zu werden.
Lernen wir, uns selbst für unsere eigene Entwicklung verantwortlich zu fühlen.
Lernen wir, uns dessen voll bewußt zu werden, was in uns selbst an Motivationen vorhanden ist.
Bedenken wir, daß andere Menschen nur überkommene Vorstellungen von unserem Leben haben können, weil sie immer gezwungen sind, zu verallgemeinern und alles durch ihre eigene Brille zu sehen. (Daher sollten wir immer sehr respektvoll mit der Meinung anderer umgehen, vor allem beim Umgang mit Kindern).

Denken

Was heißt es, selbst zu denken? Für mich hieß es immer, den eigenen Wertvorstellungen den Vorrang zu geben vor den Wertvorstellungen anderer Menschen. Als Kind nahm ich viele Ungereimtheiten wahr, Widersprüche, Erscheinungen und Meinungen, die nicht zusammenpaßten. Ich bezog es auf mich, dachte, es nicht richtig verstanden zu haben. Dann folgte die Schule mit ihrem Absolutheitsanspruch auf Wahrheit und Darstellung von Wirklichkeit. Sie ließ mir kaum Luft zum eigenen Denken. In jener Zeit fand der Vietnamkrieg statt. Das nahm ich als Perversion aller Wertvorstellungen wahr, die sich bei allen Personen, mit denen ich verkehrte, als Folge der schrecklichen Ereignisse des 3.Reiches ausgebildet hatten. Alle Hoffnung verlor sich in den Ereignissen. Es war jedoch die Realität, genau so wie es heute Realität ist, daß es an vielen Punkten der Erde Konflikte oder Kriege gibt, die von den gleichen Interessen initiiert und gefördert werden, nämlich ausnahmslos kaufmännischen Interessen ohne jegliche Ethik.

Selbst zu denken heißt, eigene Entscheidungen zu treffen anstatt einer suggerierten Denkrichtung zu folgen. Wir vertrauen unseren eigenen Beobachtungen mehr als den Informationen durch andere Menschen. Tief in uns drin wissen wir genau, was richtig ist und was nicht. Wir sollten auch nicht diskutieren, denn es ist heute üblich, in abgehobenen Begriffen nach Art von Soziologen / PolitologenPsychologen / zu diskutieren: was sollte das auch bringen? Meistens endet es im Schlagabtausch der Argumente und führt nicht zu mehr Bewußtsein und mehr Handlungsfähigkeit. Es ist eine Modeerscheinung, so zu reden, mit Begriffen um sich zu werfen. Wir sollten es uns ersparen. Will jemand "ergänzend" mit uns kommunizieren, kann er unser Gesprächspartner sein. Gut ist, was zu neuen ideen führt. Argumente kann man gegen alles finden, das Fehlen absoluter Wahrheiten ist ja gerade der Clou unserer Realität.

Tun, was alle tun?

Auch wenn Millionen von Menschen das Gleiche tun, heißt das nicht, daß es für mich richtig wäre. Entscheidend ist, was meine eigene innere Wahrheit und Logik für richtig hält, wenn alle Folgen meines Tuns mich selbst betreffen. Das bedeutet nicht, sich nicht beraten lassen zu können. Beratung soll immer Informieren sein und nicht Überredung oder Druck. Entscheidung und Beratung sind als zwei verschiedene Aktionen auseinander zu halten.

Um zu wissen, wie man sich entscheiden soll, muß man seine eigenen Ziele so genau wie möglich erkennen. Versteckte Motivationen darf es möglichst nicht geben, und wenn doch, dann müssen wir sicher sein, überprüft durch unser eigenes Gefühl, daß es unsere eigenen sind und daß sie zur rechten Zeit aktiv sind.

Kaufen, was alle kaufen?

Wir leben in einer Zeit, in der der Konsum etwas so Gewohntes geworden ist, daß es sich Kinder und Jugendliche kaum vorstellen können, daß es auch anders geht, daß man nicht dauernd Neues kaufen muß, um vermeintliche Probleme zu lösen. Die ganze Kauferei ist eine Idee des Wirtschaftsmodell, das nicht ohne permanentes Wachstum funktioniert. Aber macht es uns wirklich zufrieden, das "neueste..." zu besitzen, oder ist es nicht nur der soziale Druck, der uns dazu bringt, kaufen zu müssen? Ist es die Unsicherheit, vor anderen dumm dazustehen, nicht "in" zu sein? Wer sich zum Sklaven macht und sich immer an den Menschen orientiert, die gewohnheitsmäßig auf gehobenem Standard konsumieren, muß sich nicht wundern, wenn er auch in anderen Lebensbereichen nach der Pfeife anderer tanzt. Und wenn alle eine Krawatte tragen, muß ich dann auch eine tragen? Muß ich nicht, und wenn jemand meint, ich müsse, ist es sein Problem. Für mich ist es ein klassisches Symbol, sich untergeordnet, gewissen gesellschaftlichen Regeln ein für alle mal gebeugt zu haben. Es ist ein geschlossener Ring mit einer Leine zum Geführt werden, und das symbolisiert bestimmt nicht Freiheit.

Daß fast alle Verkehrsteilnehmer heute in Deutschland mit fast neuen oder wenigstens neu aussehenden Autos herum fahren, ist ein sehr gutes Beispiel für Konsumzwang. Es kam ganz plötzlich, nachdem die Privatsender in Funk und Fernsehen eingeführt wurden, und ist gewiß kein Zufall. Der Unterschied im Straßenverkehr zwischen Anfang der 80er Jahre und der Mitte ist diesbezüglich so eklatant, daß ich mich frage, wie die Werbung so etwas wohl zustande gebracht haben mag. Tatsache ist, sie hat! Bis etwa 1982 fuhren viele mit Kleinwagen, und sehr viele Autos waren verrostet und unansehnlich. Für viele war es geradezu ein Statussymbol, kein tolles Auto zu fahren, um nicht als Angeber abgestempelt zu werden. Hier hat die Amerikanisierung auch ganze Arbeit geleistet. Bei Kleidung hat eine ähnliche Entwicklung stattgefunden. Nun, man muß sie ja nicht mitmachen.

Glauben

Was sollen wir glauben? Wer ehrlich ist, muß zugeben, nichts wirklich sicher zu wissen, und damit ist man bei sich selbst angekommen. Gewiß, man nimmt in der Schule Informationen als Wahrheit an, dann später in der Ausbildung ebenso. Auch das Elternhaus gibt viele Wahrheiten von Anfang an vor. Aber wenn es keine Möglichkeit gibt, eine objektive Realität überprüfbar festzustellen, ist alles nur Glaube, womit wir uns befassen. Wir nehmen an, es sei so, da es ja immerhin funktioniert. Wir initiieren Abläufe, die funktionieren, und wir kombinieren Gegenstände zu neuen Funktionen (Handwerk, Technik). Aber ist dann schon Schluß? Gibt es keine anderen Möglichkeiten? Auch wenn wir nicht gewillt sind, die sogenannten "Gegenstände" für geistig manipulierbar zu halten, gibt es doch einige Lebensbereiche, in denen ein flexibler Glaube uns helfen könnte, Engpässe zu beseitigen. Ein Bereich ist die Kommunikation (siehe Link [ 1 ] zu "Kommunikation"), der andere ist "Gesundheit". Erfolg in diesen beiden Bereichen ist unabdingbar für unser Wohlergehen, eben daß wir mit anderen Menschen gut auskommen, auch wenn wir sie eigentlich nicht mögen, und daß wir eine einigermaßen robuste Gesundheit haben.

[1] Kommunikation zwischen Mentalstrukturen

JHC 22. November 2003